Nachgebende Rohölnotierungen und diplomatische Signale im Nahen Osten verschaffen dem Silberpreis Erleichterung. Weil die sinkenden Treibstoffkosten die unmittelbaren Inflationssorgen dämpfen, legte das Edelmetall zuletzt zu und festigte seinen Stand im Bereich von 66 US-Dollar je Feinunze. Gleichzeitig mahnen mehrere Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve zur Vorsicht und halten die Tür für weitere geldpolitische Straffungen offen.

Nachlassender Öldruck entlastet das Edelmetall

Auslöser der jüngsten Entspannung an den Rohstoffmärkten ist eine deutliche Korrektur bei den Energieträgern. Die Ölpreise gaben den vierten Handelstag in Folge nach, da diplomatische Initiativen rund um den Konflikt im Nahen Osten Hoffnungen auf eine Beruhigung nähren. Zudem stehen politische Gespräche im Rahmen der UN-Generalversammlung im Blick der Marktteilnehmer.

Geringere Energiekosten reduzieren das Risiko von Zweitrundeneffekten bei den Verbraucherpreisen. Dies entlastet Edelmetalle wie Silber, die in den vergangenen Wochen unter der Erwartung anhaltend hoher Zinsen gelitten hatten. Am vergangenen Freitag ging der COMEX-Frontmonat für Silber mit einem Plus von 1,6 Prozent bei 66,78 USD aus dem Handel.

US-Währungshüter mahnen vor anhaltenden Risiken

Trotz der kurzfristigen Entspannung an den Ölmärkten bleibt der geldpolitische Ausblick unsicher. Führende Vertreter der Federal Reserve warnten davor, den Kampf gegen die Teuerung zu früh abzuhaken. Alberto Musalem, Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, betonte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, dass weitere Zinsanhebungen wahrscheinlich notwendig seien.

Neben der anhaltenden Nachfrage bereiteten ihm breiter gefasste Angebotsschocks bei Rohstoffen Sorgen. Ohne eine zusätzliche Straffung drohe die Inflation auf Sicht von anderthalb Jahren deutlich über dem Ziel von zwei Prozent zu verharren.

Ähnlich äußerte sich Susan Collins, Präsidentin der Bostoner Notenbank, in einem Gespräch mit der Associated Press. Sie verwies auf anhaltende Risiken auf der Energieseite und signalisierte die Bereitschaft zu einem weiteren Zinsschritt im laufenden Jahr. Austan Goolsbee von der Chicagoer Fed unterstrich ebenfalls, dass die Währungshüter wiederholte Angebotsschocks nicht ignorieren könnten.

Physische Nachfrage stützt das Preisniveau

Neben den makroökonomischen Faktoren stabilisiert die physische Nachfrage das Marktgeschehen. In Asien sorgt eine verstärkte Eindeckung der Verarbeiter vor den anstehenden Nationalfeiertagen in China für Abnehmer im industriellen Bereich.

Charttechnisch trifft die Erholung im Bereich zwischen 67,25 und 67,35 Dollar auf ersten Widerstand. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über diesen Korridor würde den Weg in Richtung der Marke von 71 Dollar ebnen. Solange die Notenbanken jedoch mit weiteren Zinsanhebungen drohen, dürfte das Aufwärtspotenzial am Terminmarkt begrenzt bleiben. Nach unten sichert zunächst die Zone um 65 Dollar ab.