Silber verzeichnete am Freitag einen leichten Rebound. Der Preis stieg um gut drei Prozent auf 59,69 US-Dollar. Das ändert wenig am verheerenden Gesamtbild. Auf Monatssicht verlor das Edelmetall rund 20 Prozent an Wert. Der Grund für den Absturz liegt in Washington. Die US-Notenbank Fed erstickt jede Fantasie auf baldige Zinssenkungen.
Inflation zwingt die Fed zum Handeln
Der neue Fed-Vorsitzende Warsh bleibt hart. Er ignoriert den politischen Druck aus dem Weißen Haus. Im Mai kletterte die PCE-Inflation auf 4,1 Prozent. Die Währungshüter hoben daraufhin ihre Prognosen deutlich an. Märkte preisen nun drei Zinserhöhungen für dieses Jahr ein.
Höhere Zinsen stärken den US-Dollar. Das verteuert Edelmetalle für Käufer außerhalb des Dollarraums. Parallel dazu steigen die Opportunitätskosten. Silber wirft keine Zinsen ab und verliert in diesem Umfeld massiv an Attraktivität. Allein in der Woche der letzten Fed-Sitzung brach der Preis drastisch ein.
Physischer Markt bleibt im Defizit
Abseits der Geldpolitik sieht die Lage völlig anders aus. Der globale Silbermarkt steuert 2026 auf ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen zu. Es ist das sechste Jahr in Folge mit einem Engpass. Mehr als die Hälfte der Nachfrage stammt aus der Industrie. Solarpanels und Elektroautos fressen das Angebot regelrecht auf.
Dieses industriell genutzte Silber wird verbraucht und kaum recycelt. Der Bergbau kann die Lücke nicht schließen. Minenbetreiber fördern den Großteil des Edelmetalls lediglich als Nebenprodukt der Kupfer- und Zinkgewinnung. Die Fördermengen sinken aktuell schneller, als die Industrienachfrage zurückgeht.
Analysten uneins, Chart angeschlagen
Charttechnisch ist der Aufwärtstrend vorerst gebrochen. Silber notiert weit unter seiner wichtigen 200-Tage-Linie. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf gut 17 Prozent. Ein kleiner Lichtblick: Der RSI-Indikator steht bei 34,3. Das signalisiert einen fast überverkauften Zustand.
Bei den Prognosen scheiden sich die Geister. J.P. Morgan Global Research rechnet für 2026 mit einem Durchschnittspreis von 81 US-Dollar. Die Experten setzen auf die starke globale Nachfrage. TD Securities hält dagegen. Die Bank warnt vor einer wirtschaftlichen Abkühlung und ruft ein Ziel von lediglich 44 US-Dollar aus.
Die Marschroute für die kommenden Wochen diktiert die US-Notenbank. Solange die Inflation hoch bleibt und die Fed an der Zinsschraube dreht, fehlt Silber der Treibstoff für eine nachhaltige Rallye. Der nächste Härtetest folgt Mitte Juli. Dann veröffentlichen die US-Behörden die frischen Inflationsdaten für den abgelaufenen Monat.
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