Am Markt für physisches Silber zeigt sich eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen industrieller Verarbeitung und der Preisentwicklung an den Terminbörsen. Während die Notierungen unter Druck stehen, melden Verarbeiter spürbare Verzögerungen in den Lieferketten.
Nach Angaben von Josh Phair, CEO des Veredlers Scottsdale Mint, hinkt die Silberverarbeitung in den Schmelzen je nach Material derzeit drei bis vier Monate hinterher. Zwar sei raffiniertes Fertigmetall innerhalb der Vereinigten Staaten weiterhin in ausreichendem Umfang verfügbar, doch die Kapazitäten bei der Aufbereitung bleiben spürbar ausgelastet.
Diese operative Verzögerung verdeutlicht, dass die logistische Kette im physischen Segment trotz der jüngsten Preisschwäche keineswegs entspannt ist. Am Terminmarkt dominieren dennoch makroökonomische Faktoren das Geschehen. Der Preis für die Feinunze Silber schloss am Freitag bei 60,71 USD, was auf Wochensicht einem Minus von 6,2 Prozent entspricht. Damit liegt das Edelmetall rund 50 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 121,78 USD.
Auslaufender Liefermonat und verhaltene Terminaktivität
Parallel zu den Berichten aus der Weiterverarbeitung liefern die jüngsten Abrechnungsdaten der US-Warenterminbörse COMEX Einblicke in den physischen Umschlag. Der September-Kontrakt wurde mit insgesamt 6.773 Kontrakten beziehungsweise 33,9 Millionen Unzen abgerechnet. Dies entsprach 16 Kontrakten mehr, als unmittelbar vor Beginn des ersten Liefertags noch offenstanden.
Der Übergang in den neuen Kontraktmonat verläuft dagegen deutlich ruhiger. Bis gestern wurden für den Oktober-Kontrakt 204 Lieferverpflichtungen verzeichnet, nachdem im Vormonat September insgesamt 4.529 Kontrakte gemeldet worden waren. Die registrierten Bestände an der COMEX, die für eine physische Auslieferung hinterlegt sind, stiegen im Monatsverlauf leicht an, was die kurzfristige Verfügbarkeit an der Börse sicherstellt.
Zinspfad der Notenbank bleibt der dominierende Taktgeber
Trotz der Friktionen bei der Raffination orientieren sich die Notierungen primär an den geldpolitischen Erwartungen in den USA. Schwächere Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten sorgten am Freitag zwischenzeitlich für Entlastung bei Zinsängsten, doch die Marktteilnehmer blicken mit Vorsicht auf den Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve am 27. und 28. Oktober.
Mittelfristig orientierte Beobachter trauen dem Edelmetall ungeachtet der jüngsten Schwäche eine Erholung zu. Stratege Dominic Schnider von der Schweizer Großbank UBS hielt am 21. September an der Einschätzung fest, dass Silber bis Dezember 2026 ein Niveau von 70 USD je Feinunze erreichen könnte.
Für das kommende Jahr stellte das Institut Marken von 75 USD im Frühjahr sowie 80 USD bis September 2027 in Aussicht. Als Begründung verwies der Experte auf fiskalische Belastungen und längerfristige Risiken für den US-Dollar, die das Edelmetall stützen dürften.
Bis zu einer nachhaltigen Entspannung bei den Zinsaussichten dürften die logistischen Verzögerungen in den Raffinerien allein jedoch kaum genügen, um den Markt aus seiner Korrekturphase zu befreien.
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