Die angekündigte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran entspannt die globalen Märkte. Silber reagiert sofort. Der Preis für das Edelmetall sprang am Montag um mehr als drei Prozent nach oben. In der Spitze verzeichnete der Kurs sogar ein Plus von sechs Prozent und ließ Gold deutlich hinter sich.

Fallende Ölpreise stützen Edelmetalle

Am Freitag sollen die USA und der Iran das Abkommen in der Schweiz offiziell unterzeichnen. Das drückt die geopolitischen Risikoprämien. Parallel dazu geben die Ölpreise nach. Das dämpft die seit Februar schwelenden Inflationsängste spürbar.

Für zinslose Anlagen wie Silber ist das ein ideales Umfeld. Die realen Opportunitätskosten sinken. Anleger greifen wieder beherzter zu.

Sechstes Defizitjahr in Folge

Abseits der Politik stützen harte Fundamentaldaten den Kurs. Branchenexperten rechnen für das laufende Jahr mit dem sechsten Angebotsdefizit in Folge. Die weltweite Minenproduktion hinkt der Nachfrage hinterher.

Vor allem die Industrie saugt den Markt leer. Elektronik, Elektroautos und KI-Infrastruktur benötigen massive Mengen des Edelmetalls. Der Solarsektor reduziert zwar den Silberanteil pro Panel. Das wachsende Volumen in anderen Bereichen gleicht diesen Rückgang aber mühelos aus. Die Folge: Die oberirdischen Lagerbestände schmelzen.

Feuerprobe für den neuen Fed-Chef

Ein weiterer Preistreiber entscheidet sich in Washington. Das am Mittwoch endende FOMC-Meeting rückt in den Fokus. Unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh erwarten die Märkte eine Zinspause. Seine Wortwahl auf der Pressekonferenz könnte den nächsten Impuls für Silber liefern.

Zuletzt kletterte die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent. Das war der höchste Stand seit April 2023. Energiepreise verursachten mehr als 60 Prozent dieses Anstiegs. Normalisiert sich der Ölmarkt nun, dürfte der Inflationszyklus seinen Höhepunkt erreicht haben.

Nach dem jüngsten Absturz unter 68 US-Dollar zeigt Silber relative Stärke. Das aktuelle Gold-Silber-Verhältnis von knapp 62 signalisiert eine moderate Unterbewertung des Metalls. Institutionelle Prognosen taxieren den Preis für das laufende Jahr auf rund 80 Dollar je Unze. Hält das physische Defizit an, rückt diese Zielmarke in greifbare Nähe.