Silber steht unter Druck — von mehreren Seiten gleichzeitig. Der Preis fiel am Mittwoch auf rund 64,24 US-Dollar, ein Minus von knapp 1,7 Prozent innerhalb von 24 Stunden. Schuld daran sind ein bearishes Chartsignal, eskalierte Spannungen im Nahen Osten und der Schatten der US-Notenbank.

Krieg stützt Silber nicht — diesmal

US-Angriffe auf den Iran, ausgelöst durch den Abschuss eines amerikanischen Militärflugzeugs über der Straße von Hormus: Normalerweise treiben solche Nachrichten sichere Häfen nach oben. Bei Silber ist das anders. Rund 50 Prozent der Nachfrage stammt aus der Industrie. Wächst die Angst vor einer konjunkturellen Eintrübung, überwiegt das gegenüber dem Krisenmetall-Effekt. Genau das passiert gerade.

Strukturelles Defizit trifft technischen Gegenwind

Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Marktdefizit in Folge. Die Nachfrage soll das Angebot um rund 46 Millionen Unzen übersteigen — getrieben vor allem durch den Boom bei Rechenzentren und KI-Hardware.

Allerdings bremst die Solarbranche. Hersteller haben den Silberanteil in Solarzellen gezielt gesenkt. Das sogenannte Thrifting könnte den Verbrauch im Photovoltaik-Sektor 2026 um rund 19 Prozent auf etwa 151 Millionen Unzen drücken. Ein strukturelles Gegengewicht zum Tech-Nachfrageboom.

Todeskreuz und 60-Dollar-Marke

Charttechnisch hat sich die Lage verschlechtert. Ein kurzfristiger gleitender Durchschnitt ist unter den langfristigen gefallen — das klassische Todeskreuz. Trader werten das als Signal für anhaltende Kursverluste.

Nach dem Rückfall von den Jahreshochs über 100 US-Dollar rückt die Marke von 60 Dollar als nächste psychologische Unterstützung ins Blickfeld. Hohe Realrenditen in den USA machen Edelmetalle ohne Zinsertrag zusätzlich unattraktiv. Die heute anstehenden US-Inflationsdaten könnten die Volatilität weiter anheizen — je nachdem, wie weit sie die Erwartungen an die Fed verschieben.