Silber bricht ein. Am Mittwoch fiel der Preis unter 59 Dollar je Unze — ein Niveau, das zuletzt im Dezember 2025 zu beobachten war. Vom Rekordhoch nahe 120 Dollar hat das Metall damit mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.

Fed-Zinserhöhungen überschatten alles

Der Haupttreiber ist die Zinspolitik der US-Notenbank. Das FOMC unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh revidierte seine Inflationsprojektionen deutlich nach oben. Neun von 18 Notenbankern erwarten nun mindestens eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Der CME FedWatch zeigt eine Wahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln für genau dieses Szenario.

Parallel dazu zwang ein scharfer Rückgang bei US-Technologieaktien viele Investoren zum Handeln. Sie bauten Edelmetallpositionen ab, um Verluste in anderen Portfoliobereichen auszugleichen. Das verstärkte den Druck auf Silber zusätzlich.

Gold-Silber-Ratio signalisiert Stress

Das Gold-Silber-Ratio stieg am Mittwoch auf rund 67:1 — den weitesten Stand seit den Höhepunkten des Iran-Krieges. Silber leidet dabei überproportional. Der Grund: Bei Zinserhöhungsängsten repriced der Markt die industrielle Nachfragekomponente des Metalls nach unten. Gold hält sich besser, weil es keine industrielle Funktion hat.

Fortschritte in den US-Iran-Verhandlungen haben den Verkehr durch die Straße von Hormus belebt und Inflationsrisiken gemildert. Washington erteilte dem Iran zudem eine 60-tägige Lizenz zum Ölverkauf auf internationalen Märkten. Diese sogenannte Friedensdividende ist real — reicht aber nicht aus, um die Zinsangst zu überwiegen.

Angebotsdefizit stützt langfristig

Strukturell bleibt Silber knapp. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste aufeinanderfolgende jährliche Angebotsdefizit — ein Fehlmengenvolumen von 46,3 Millionen Feinunzen. Die Minenproduktion wächst mit weniger als einem Prozent pro Jahr. Da Silber überwiegend als Nebenprodukt bei der Förderung von Kupfer, Zink oder Blei anfällt, lässt sich das Angebot kurzfristig kaum ausweiten.

Dieses Fundament spielt im aktuellen Umfeld jedoch keine Rolle. Kurzfristig regiert die Zinspolitik.

Der entscheidende Test kommt am Donnerstag. Um 8:30 Uhr EDT veröffentlicht das US-Statistikamt den PCE-Preisindex. Der Konsens liegt bei 4,1 Prozent im Jahresvergleich. Ein Wert darunter könnte die Zinserhöhungserwartungen dämpfen und Silber Erleichterung verschaffen — ein Wert darüber dürfte den Druck weiter erhöhen.