Ein starker Arbeitsmarkt in den USA bremst die Hoffnungen auf sinkende Zinsen. Das bringt zinlose Edelmetalle wie Silber in die Bredouille. Der Preis rutschte zuletzt unter die wichtige Marke von 70 US-Dollar. Aktuell ringen die Notierungen um eine klare Richtung.

Warten auf die Fed

Der Blick der Märkte richtet sich auf die neuen US-Verbraucherpreise. Analysten rechnen im Mai mit einer Inflationsrate von 4,2 Prozent. Parallel dazu stärken robuste US-Arbeitsmarktdaten die harte Linie der Federal Reserve. Ein starker Dollar belastet das Edelmetall traditionell. Der US-Dollar-Index kletterte zuletzt in Richtung der 100-Punkte-Marke. Die Zinssitzung Mitte Juni gibt nun den weiteren Takt vor.

Industrie saugt den Markt leer

Die fundamentale Basis für Silber bleibt extrem stark. Die Industrie fragt das Metall massiv nach. Vor allem Solarpanels, Elektroautos und Computerchips verschlingen große Mengen. Das treibt den Markt das sechste Jahr in Folge in ein strukturelles Defizit. Ein chinesisches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent im ersten Quartal stützt diese Entwicklung zusätzlich.

Bergbaukonzerne reagieren auf die anhaltende Knappheit. In Mexiko stiegen die Auslandsinvestitionen im Minensektor um knapp 40 Prozent auf über drei Milliarden US-Dollar. Behörden erteilen neue Genehmigungen, etwa für das Unternehmen GoGold Resources in Jalisco. Langfristig weitet das die Produktion aus. Die Folge: Kurzfristig lindert das die aktuelle Knappheit nicht.

Geopolitik trifft auf Charttechnik

Technisch verarbeitet der Silberpreis aktuell seinen Rücksetzer. Der Kurs pendelt um die 200-Tage-Linie. Zuvor markierte das Edelmetall ein lokales Tief bei gut 65 US-Dollar. Analysten machen nun eine massive Unterstützung bei 63 US-Dollar aus.

Abseits der Zinspolitik rücken geopolitische Krisenherde in den Fokus. Spannungen zwischen den USA und dem Iran im Libanon verunsichern die Rohstoffmärkte. Hinzu kommen Drohungen rund um die Straße von Hormus. Eskaliert die Lage am Golf weiter, rückt die Funktion von Silber als sicherer Hafen schnell wieder in den Vordergrund.