Nach den deutlichen Verlusten zur Wochenmitte blicken die Edelmetallmärkte am heutigen Donnerstag auf eine Reihe neuer Konjunkturdaten aus den USA. Neben den Erzeugerpreisen für September stehen die aktuellen Einzelhandelsumsätze sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf der Agenda des US Bureau of Labor Statistics und weiterer US-Behörden.
Diese Kennzahlen dürften Hinweise darauf liefern, wie robust sich die US-Wirtschaft präsentiert und welchen geldpolitischen Kurs die Federal Reserve in den kommenden Monaten einschlagen wird.
Datenflut aus Washington bestimmt das Sentiment
Am gestrigen Mittwoch war der Silberpreis im US-Handel spürbar abgerutscht. An der COMEX fiel die Notierung für den Front-Month-Kontrakt um 6,0 Prozent und beendete den Handelstag bei 55,80 USD je Feinunze. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf 21 Prozent.
Auslöser des jüngsten Verkaufsdrucks waren die am Mittwoch vorgelegten US-Verbraucherpreise für September. Der Index stieg im Jahresvergleich um 3,7 Prozent, während am Markt ein Zuwachs von 3,6 Prozent erwartet worden war. Im Monatsvergleich legten die Preise um 0,6 Prozent zu.
Die über den Schätzungen liegende Teuerung schürte an den Terminmärkten umgehend Spekulationen über länger anhaltend hohe Leitzinsen, was zinslose Edelmetalle im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen unattraktiver werden ließ.
Devisenmarkt bremst die Talfahrt vorerst
Entlastung zeichnete sich am Donnerstagmorgen zunächst am Währungsmarkt ab. Laut Reuters gab der US-Dollar von einem 18-Monats-Hoch nach. Zurückhaltende Äußerungen einzelner Vertreter der Federal Reserve sowie sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen dämpften die Wetten auf unmittelbare Zinsanhebungen.
Dennoch bleibt die Verunsicherung an den Rohstoffmärkten hoch. Medienberichten zufolge gerieten zeitgleich auch die Rohölnotierungen unter Druck, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nachgab. Die Marktteilnehmer warten nun ab, ob die anstehenden Erzeugerpreise und der zeitgleich erscheinende Empire-State-Index das Szenario hartnäckigen Preisdrucks untermauern oder Anzeichen einer Abkühlung liefern.
Industrielle Perspektiven für den Markt
Neben den makroökonomischen Zinssignalen rücken mittelfristige Angebots- und Nachfragetrends in den Blickpunkt. So hatte Daniel Ghali von der Deutschen Bank Anfang Oktober prognostiziert, dass der Silbermarkt im Jahr 2027 nach mehreren Defizitjahren erstmals wieder einen Angebotsüberschuss aufweisen könnte.
Als Gründe führte das Institut wachsende Lagerbestände sowie eine nachlassende industrielle Nachfrage an, insbesondere bedingt durch einen geringeren Silberverbrauch in der Photovoltaikindustrie. Für das zweite Quartal 2027 veranschlagte die Bank in diesem Kontext einen durchschnittlichen Silberpreis von 70 USD je Feinunze.
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