Unerwartet deutliche Töne aus den Reihen der US-Notenbank belasten das weiße Edelmetall. Nachdem Vertreter der Federal Reserve weitere geldpolitische Straffungen noch im laufenden Jahr in Aussicht gestellt haben, verstärkte sich der Verkaufsdruck an den Rohstoffmärkten spürbar. An der New Yorker COMEX gab der Silberpreis am Mittwoch um 4,0 Prozent auf 64,93 US-Dollar je Feinunze nach.
Williams stellt weitere Zinsschritte in Aussicht
Hauptauslöser der jüngsten Zurückhaltung unter den Edelmetallanlegern sind Äußerungen von John Williams, dem Präsidenten der New York Fed. Wie Reuters aus London berichtete, bezeichnete Williams eine zusätzliche Anhebung des US-Leitzinses vor Jahresende angesichts der anhaltenden Teuerungsrisiken als vernünftige Möglichkeit. Die Inflation verharre seit fünf Jahren über dem Notenbankziel und stelle nach wie vor die größte Herausforderung dar.
Williams verwies zudem auf die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft, die durch hohe Investitionen und eine starke Nachfrage im Bereich der künstlichen Intelligenz gestützt werde. Neben Williams hatte sich auch Fed-Gouverneur Michael Barr dafür ausgesprochen, dass weitere Zinserhöhungen zur Eindämmung des Preisdrucks notwendig sein könnten.
Renditeanstieg dämpft die Attraktivität
Für zinslose Anlagen bedeutet die Aussicht auf längerfristig hohe oder gar steigende Leitzinsen Gegenwind. Wenn festverzinsliche Wertpapiere höhere laufende Erträge abwerfen, steigen für Investoren die Opportunitätskosten für das Halten von Edelmetallen. Zudem verteuert ein tendenziell festerer US-Dollar den Rohstoffkauf für Anleger außerhalb des Dollarraums, was die weltweite Nachfrage dämpft.
Die Reaktionen an den Anleihemärkten spiegeln diese veränderten Erwartungen direkt wider. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Zuge der Zinsspekulationen auf über 5,1 Prozent und erreichte damit Niveaus, die seit vielen Jahren nicht mehr verzeichnet wurden. Der gleichzeitige Abverkauf von Anleihen zog breite Kreise und erfasste neben Silber auch andere Edelmetalle wie Gold und Platin.
Markt ringt um Orientierung
Die Notierungen testen nach den Verlusten wichtige charttechnische Orientierungsmarken. Mit dem Rutsch am Mittwoch bewegte sich der Kontrakt knapp an seinem 50-Tage-Durchschnitt von 64,80 US-Dollar, der von Marktteilnehmern als Richtschnur für den mittelfristigen Trend beobachtet wird.
Während einige Marktbeobachter die robuste Wirtschaftsentwicklung als mittelfristige Stütze für den industriellen Silberbedarf sehen, dominiert kurzfristig der Einfluss der Geldpolitik das Handelsgeschehen.
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