Starke Nachfrage, schwache Kurse. Beim Silberpreis klaffen Realität und Marktstimmung aktuell weit auseinander. Am Montag rutschte das Edelmetall um knapp 3,5 Prozent ab. Eine Unze kostet nun weniger als 73 US-Dollar.

Gegenwind von der Notenbank

Hohe Zinsen belasten zinslose Anlagen wie Silber. Steigende Opportunitätskosten treiben Anleger in renditestärkere Papiere. Ein wesentlicher Treiber für das hohe Zinsniveau bleiben hartnäckige Inflationssorgen. Diese speisen sich vor allem aus steigenden Energiepreisen durch den Nahostkonflikt.

Ein möglicher Personalwechsel an der Spitze der US-Notenbank verschärft den Druck. Ab dem 11. Mai stimmt der US-Senat voraussichtlich über Kevin Warsh als neuen Fed-Chef ab. Er lehnt Anleihekaufprogramme ab und befürwortet einen starken Dollar. Beide Positionen drücken erfahrungsgemäß die Edelmetallkurse.

Industrie saugt den Markt leer

Abseits der Zinspolitik zeigt das Edelmetall enorme fundamentale Stärke. Die Industrie braucht dringend Material für Solaranlagen, Elektronik und Elektroautos. Seit 2021 übersteigt die Nachfrage das Angebot auf dem Weltmarkt kontinuierlich.

Für das laufende Jahr erwarten Experten das sechste Defizitjahr in Folge. Der Fehlbetrag dürfte zwischen 67 und 126 Millionen Unzen liegen. Die Folge: Oberirdische Bestände schmelzen rasant. Der Markt wird dadurch extrem anfällig für Preisschocks.

Kurzfristig diktieren Zinsen und Geopolitik den Kurszettel. Langfristig stützt die knappe Angebotslage das Edelmetall massiv. Sobald die industrielle Nachfrage auf leere Lager trifft, reichen bereits kleine Kaufimpulse für heftige Aufwärtsbewegungen.