Sivers: 97,45 SEK nach GlobalFoundries-Sprung

Sivers Semiconductors kooperiert mit GlobalFoundries bei KI-Photonik. Der Aktienkurs explodiert, doch konkrete Finanzzusagen fehlen.

Sivers Semiconductors Aktie
Kurz & knapp:
  • Kooperation mit GlobalFoundries vereinbart
  • Aktienkurs steigt über 60 Prozent
  • Keine verbindlichen Finanzdetails genannt
  • Umsatz im ersten Quartal gesunken

Sivers Semiconductors liefert den Stoff, aus dem KI-Börsengeschichten entstehen: ein Photonik-Deal mit GlobalFoundries, ein Rekordkurs und ein Markt, der bis zum Ende des Jahrzehnts massiv wachsen soll. Der Haken ist sichtbar. Die Zusammenarbeit klingt strategisch wichtig, enthält aber keine verbindlichen Finanzzusagen.

Am 2. Juni 2026 kündigte der schwedische Photonik-Spezialist eine Kooperation mit GlobalFoundries an. Ziel sind fortschrittliche Silizium-Photonik-Lösungen für KI-Infrastruktur, vor allem für schnellere optische Verbindungen in Rechenzentren.

GlobalFoundries öffnet die Plattform

Sivers bringt seine Laser-Arrays in Referenzdesigns ein, die auf der Silizium-Photonik-Plattform von GlobalFoundries basieren. Abgedeckt werden mehrere Architekturen für optische Datenverbindungen, darunter Co-Packaged Optics und Linear Pluggable Optics.

Die Technologie soll auch in der SCALE-Plattform von GlobalFoundries verfügbar werden. Diese Plattform kombiniert integrierte photonische Bauelemente, Wellenlängenmultiplexing und fortschrittliches Packaging für optische Subsysteme.

Der adressierbare Markt ist der klare Kurstreiber. Sivers und GlobalFoundries zielen auf einen Markt für steckbare Optikmodule, der bis 2030 auf 25 Milliarden Dollar wachsen könnte.

Aktie springt auf Rekordniveau

Die Börse reagierte heftig. Im Handel sprang die Sivers-Aktie zeitweise um mehr als 50 Prozent, überschritt die Marke von 92 SEK und lag damit über dem früheren Rekordhoch von 90,50 SEK.

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Der Schlusskurs fiel noch stärker aus: 97,45 SEK, ein Plus von 60,15 Prozent. Das Handelsvolumen lag bei mehr als 41 Millionen Aktien an der Nasdaq Stockholm.

Dieser Kurssprung hat einen klaren Grund, aber auch eine klare Schwachstelle. Die Mitteilung nennt keine finanziellen Konditionen, keine Produktionszeitleisten und keine konkreten Kunden. Auch garantierte Abnahmemengen, Exklusivität oder Umsatzprognosen fehlen.

Der Kern der Nachricht liegt daher nicht in einem unmittelbar sichtbaren Auftrag. Es geht um Zugang zu einer Plattform, die bei KI-Rechenzentren an Bedeutung gewinnen könnte.

Der Engpass liegt bei der Datenübertragung

KI-Cluster stoßen nicht nur bei Rechenchips an Grenzen. Immer wichtiger wird, wie schnell und energieeffizient Daten zwischen Chips, Racks und Servern bewegt werden. Kupferverbindungen geraten dabei zunehmend unter Druck, optische Interconnects versprechen höhere Bandbreite bei geringerer Verlustleistung.

Raymond Biagan, Chief Revenue Officer von Sivers, verweist auf die „rasche Ausweitung von KI-Workloads“ und Hyperscale-Rechenzentren. Diese verlangten Photonik-Technologien mit höherer Bandbreite, besserer Energieeffizienz und skalierbarer optischer Konnektivität.

Auch GlobalFoundries betont diesen Punkt. Vikas Gupta, Senior Fellow für Silizium-Photonik, sieht eine starke Dynamik für Lösungen, die mehr Bandbreitendichte und bessere Energieeffizienz liefern. Die Kombination aus Sivers’ Laser-Array-Technologie und der SCALE-Plattform solle Kunden skalierbare optische Engines für Co-Packaged Optics und optische Interconnects bieten.

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Fundamentaldaten bremsen die Euphorie

Die Begeisterung an der Börse trifft auf schwache jüngste Zahlen. Im ersten Quartal 2026 sank der Nettoumsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen schwedische Kronen.

Auch die Ergebnisqualität bleibt angespannt. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen SEK, das operative Ergebnis bei minus 41,5 Millionen SEK und der operative Cashflow bei minus 49,2 Millionen SEK.

Das Management verwies auf mehrere Belastungen. Genannt wurden der US-Regierungsstillstand im Schlussquartal 2025, verzögerte Genehmigungen von Verteidigungsbudgets und ungünstige Währungseffekte.

Positiver fällt der Blick auf die Vertriebspipeline aus. Seit Jahresbeginn wuchs sie um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar, gemessen am Stand zum Ende des Vorjahres. Genau dort liegt die Börsenfantasie: Aus technischen Integrationen müssen messbare Aufträge werden.

Rechtliche Prüfung im Hintergrund

Die GlobalFoundries-Nachricht kam kurz nach einer separaten Belastung. Die Kanzlei Rosen Law Firm prüft mögliche Wertpapieransprüche, nachdem Ningi Research einen Short-Report zu Sivers veröffentlicht hatte.

Darin wurden Vorwürfe zu Bilanzierung und Kundenverträgen erhoben. Die OTC-Aktien von Sivers verloren daraufhin 9,2 Prozent. In der Mitteilung zur GlobalFoundries-Kooperation ging Sivers nicht auf den Bericht ein.

Der nächste feste Termin ist die Hauptversammlung am 15. Juni. Dort steht unter anderem eine mögliche Zweitnotierung an der Nasdaq New York auf der Agenda. Bis dahin bleibt der Kontrast scharf: technologischer Rückenwind durch KI-Photonik auf der einen Seite, fehlende Deal-Konditionen und negative operative Kennzahlen auf der anderen.

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