Bei Sivers Semiconductors prallen aktuell zwei Welten aufeinander. Operativ lockt das Management mit großen KI-Fantasien und einem möglichen US-Börsengang. Auf der anderen Seite formieren sich Leerverkäufer, Anwälte und schwedische Ermittler. Am Montag steht das Unternehmen vor einer entscheidenden Hauptversammlung.
Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen gleicht einer Achterbahnfahrt. Am Freitag kletterte das Papier auf 8,17 Euro. Auf Monatssicht steht ein sattes Plus von über 63 Prozent auf der Anzeigetafel. Das ist eine massive Erholung vom 52-Wochen-Tief bei 0,27 Euro.
Ein wesentlicher Treiber für die Rally ist eine extreme Verknappung am Wertpapierleihmarkt. Die Bank Nordea hob die Leihgebühren für die Aktie in der Spitze auf 228 Prozent an. Leerverkäufer müssen ihre Positionen teuer eindecken. Das treibt den Kurs zusätzlich.
Hauptversammlung bringt Verwässerung
Am 15. Juni treffen sich die Aktionäre in Stockholm. Die Agenda hat es in sich. Das Management plant eine Kapitalerhöhung um bis zu 53,8 Millionen neue Aktien. Das entspricht einer möglichen Verwässerung von rund 15 Prozent.
Mit dem frischen Geld will der Vorstand das organische Wachstum finanzieren. Auch die Kosten für das geplante Nasdaq-Listing sollen so gedeckt werden. Zusätzlich steht ein Optionsprogramm über sieben Millionen Papiere zur Abstimmung.
Leerverkäufer und Insider-Verkäufe
Parallel dazu wächst der juristische Druck. Anfang Juni veröffentlichte Ningi Research einen kritischen Bericht. Der Leerverkäufer wirft Sivers aggressive Methoden bei der Umsatzrealisierung vor. Konkret zweifelt Ningi Erlöse in Höhe von 97 Millionen Kronen an. Das entspricht fast einem Drittel des ausgewiesenen Jahresumsatzes für 2025.
Zwei US-Kanzleien prüfen bereits mögliche Klagen von Aktionären. Hinzu kommen Ermittlungen schwedischer Behörden wegen eines mutmaßlichen Informationslecks vor der Nasdaq-Ankündigung. Kein Wunder. Die Stimmung leidet auch unter massiven Insider-Verkäufen.
Ende Mai trennte sich Harish Krishnaswamy von 1,39 Millionen Aktien. Der Chef der Wireless-Tochter kassierte dafür fast 100 Millionen Kronen. Käufe aus der Führungsetage gab es in den letzten drei Monaten nicht.
Operative Lichtblicke
Operativ liefert der Chipentwickler ein gemischtes Bild. Im ersten Quartal fielen die Umsätze um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Das bereinigte operative Ergebnis rutschte tiefer ins Minus. Dennoch gibt es positive Signale. Sivers sicherte sich einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen Dollar von ALL.SPACE.
Im Bereich Photonik meldet das Unternehmen eine strategische Zusammenarbeit mit GlobalFoundries. Gemeinsam wollen die Partner neue Lösungen für den wachsenden Markt der KI-Infrastruktur entwickeln. Die Laser-Arrays von Sivers sollen dabei direkt in die Plattform des US-Auftragsfertigers integriert werden.
Die Abstimmung am Montag wird die strategische Richtung für die kommenden Monate vorgeben. Stimmen die Aktionäre der Kapitalerhöhung zu, ist der Weg für das Nasdaq-Listing frei. Der nächste fundamentale Prüfstein folgt dann am 6. August. An diesem Tag präsentiert Sivers den Halbjahresbericht.
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