Bei Sivers Semiconductors überschlagen sich die Ereignisse. Die Hauptversammlung brachte einen radikalen Umbau des Vorstands. Parallel dazu ermittelt die schwedische Staatsanwaltschaft. Anleger reagieren auf diese Mischung überraschend gelassen. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 9,00 Euro. Das entspricht einem Kursplus von 102 Prozent auf Monatssicht. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 0,27 Euro ist gigantisch.

Neue Köpfe, verschobene Pläne

Auf der Hauptversammlung am 15. Juni räumten drei Führungskräfte ihre Posten. Darunter waren die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey. Neu im Gremium sind Joakim Nideborn und Helena Svancar. Nideborn übernimmt die wichtige Aufgabe der Investor Relations. Svancar bringt wertvolle Erfahrung bei Übernahmen mit.

Das wichtigste Thema des Tages verschwand kurzfristig von der Agenda. Das Management zog die Abstimmung über eine Zweitnotierung an der US-Börse Nasdaq zurück. Das verhinderte eine sofortige Verwässerung der Aktien um rund 15 Prozent. Das neue Gremium erhält stattdessen ein allgemeines Mandat. Damit kann Sivers künftig flexibel frisches Kapital aufnehmen.

Volle Auftragsbücher, höhere Verluste

Sivers passte seine Bilanzen kürzlich an US-Standards an. Das deckte höhere historische Verluste auf. Für das vergangene Jahr stieg der Fehlbetrag nachträglich auf 222,6 Millionen Schwedische Kronen. Auch das erste Quartal enttäuschte mit einem Umsatzrückgang von 22 Prozent.

CEO Vickram Vathulya macht verschobene US-Verteidigungsbudgets für die schwachen Zahlen verantwortlich. Die Aufträge sind nicht weg, sie verschieben sich nur. Die Folge: Die Auftragspipeline explodierte seit Jahresbeginn um 77 Prozent. Sie liegt nun bei 799 Millionen US-Dollar.

Die Aktionäre segneten ferner eine besicherte Wandelanleihe ab. Bootstrap Europe stellt rund 327.000 US-Dollar zur Verfügung. Der feste Zinssatz liegt bei 10,85 Prozent. Um die Interessen anzugleichen, knüpft das Unternehmen die Vorstandsvergütung künftig an Aktienbesitz.

Juristischer Gegenwind

Neben dem operativen Geschäft belasten rechtliche Probleme. Schwedische Staatsanwälte untersuchen möglichen Insiderhandel. Ein Leerverkäufer attackiert obendrein die Methoden der Umsatzverbuchung. Diese Gemengelage sorgt für erhebliche Unsicherheit.

Sivers hält dennoch am Traum vom US-Börsengang fest. Das beweist der teure Wechsel auf amerikanische Bilanzstandards. Am 6. August präsentiert das Unternehmen den Bericht zum zweiten Quartal. Dann müssen konkrete Zahlen die hohen Erwartungen stützen.