Der Chairman verkauft, der CEO kauft. Bei Sivers Semiconductors zeigt sich gerade ein Muster, das Anleger selten zu Gesicht bekommen: Führungskräfte desselben Unternehmens handeln in entgegengesetzte Richtungen — und der Kurs reagiert mit einem heftigen Ausverkauf.
Die Aktie des schwedischen Halbleiterherstellers fällt am Dienstag um 10,96 Prozent auf 2,50 Euro. Der Titel notiert damit über 75 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, das erst Anfang Juni erreicht wurde. Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei über 160 Prozent annualisiert — ein Wert, der die Nervosität rund um das Papier unterstreicht.
Bilanzkorrektur und US-Listing-Pläne
Der Kursrutsch fällt mit dem Start einer regulatorischen Sperrfrist zusammen. Ab heute gilt die sogenannte „Closed Period“ nach EU-Marktmissbrauchsverordnung. Für 30 Tage vor der nächsten Quartalsvorlage dürfen Führungskräfte keine eigenen Aktiengeschäfte mehr tätigen.
Hintergrund der Sperrfrist ist ein größeres Vorhaben: Sivers bereitet ein mögliches Doppel-Listing an der Nasdaq in New York vor. Um die Standards der US-Aufsichtsbehörde PCAOB zu erfüllen, hat das Unternehmen ein umfassendes Audit-Upgrade durchlaufen. Die Folge: Die Geschäftszahlen für 2024 und 2025 wurden neu aufgestellt.
Für 2025 weist Sivers nun einen Nettoumsatz von 306,6 Millionen schwedischen Kronen aus, bei einem Verlust von 222,6 Millionen Kronen. Der Umsatz für 2024 wurde auf 219,2 Millionen Kronen korrigiert. Die Anpassungen betreffen unter anderem die Neuzuordnung von Erlösen und überarbeitete Bestandsbewertungen — Schritte, die das Unternehmen mit mehr Transparenz für internationale Investoren begründet.
Gegensätzliche Signale aus der Führungsetage
Die eigentliche Dynamik hinter dem Kurssturz liegt jedoch woanders: im Verhalten der eigenen Führungsriege. Am 16. Juli lief eine Lock-up-Frist aus, die an eine frühere gerichtete Kapitalerhöhung gekoppelt war. Seitdem zeigt sich ein deutlicher Riss zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsführung.
Chairman Bami Bastani hat 275.000 Aktien verkauft und weitere Anteile über Schenkungen übertragen. Board-Mitglied Todd Thomson reduzierte über seine Gesellschaft Headwaters Capital LLC seine Position um 950.000 Aktien. Beide Bewegungen dürften den Verkaufsdruck der vergangenen Tage mit erklären.
CEO Vickram Vathulya schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Er nutzte das letzte Handelsfenster vor der heutigen Sperrfrist, um seine Beteiligung um 70.000 Aktien zu erhöhen. Ein CEO, der kurz vor dem Blackout zukauft, während Verwaltungsratsmitglieder Millionen von Kronen an Anteilswert abstoßen — dieser Kontrast dürfte Investoren zusätzlich verunsichern.
Q2-Bericht als nächster Prüfstein
Operativ treibt Sivers weiter den Ausbau seiner Fertigungskapazitäten für Indiumphosphid-Laser und optische Verstärker voran. Zielmärkte sind KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation und Verteidigung — Wachstumsfelder mit hohem strategischem Interesse.
Der nächste konkrete Termin fällt in den August 2026: Dann veröffentlicht Sivers den Quartalsbericht für das zweite Jahresviertel. Es ist der erste Bericht nach dem neu abgestimmten Finanzkalender und dürfte zusätzlichen Aufschluss darüber geben, wie weit die Vorbereitungen für das US-Listing tatsächlich fortgeschritten sind.
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