Der schwedische Technologiekonzern Sivers Semiconductors stellt die Weichen für eine tiefgreifende Expansion auf dem amerikanischen Kapitalmarkt. Wie CEO Vickram Vathulya in einem gestern veröffentlichten Brief an die Aktionäre betonte, bereitet das Unternehmen ein Dual-Listing in den USA vor, das bis zur ersten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen sein soll.

Parallel dazu meldet das Management einen massiven Ausbau der Geschäftsmöglichkeiten, die den Grundstein für ein signifikantes Umsatzwachstum in den kommenden Jahren legen sollen.

Massive Ausweitung der Projekt-Pipeline

Im Zentrum der strategischen Entwicklung steht das schnelle Wachstum der sogenannten Opportunity Pipeline. Diese stieg bis Ende Juli 2026 auf ein Volumen von 1,2 Milliarden US-Dollar an, was einer Steigerung von 268 Prozent im Vergleich zum Stand von Dezember 2025 entspricht.

Das Unternehmen reagiert damit auf eine steigende Nachfrage in den Bereichen Halbleiter und Photonik. Ziel ist es, durch die Konzentration auf Produktanläufe im kommenden Jahr eine deutliche Umsatzwende zu erreichen, die bereits im vierten Quartal 2026 einsetzen dürfte.

Die operative Basis für dieses Wachstum bilden mehrere Großaufträge, die Sivers Semiconductors in den vergangenen Monaten sichern konnte. Dazu gehört ein Produktionsauftrag von ALL.SPACE im Wert von 8,2 Millionen US-Dollar sowie Vereinbarungen mit Tachyon Networks über 3 Millionen US-Dollar.

Zusammen mit einem 3,4-Millionen-Programm mit SemiNex, das vor rund zwei Wochen angekündigt wurde, verdeutlicht dies die zunehmende Dynamik im Auftragsbestand. Insbesondere im Bereich Wireless setzt das Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit ALL.SPACE, deren Produkte für das Jahr 2027 geplant sind.

Finanzielle Konsolidierung und operative Ziele

Finanziell sieht sich Sivers Semiconductors nach einer Phase der Restrukturierung stabil aufgestellt. Nach der Konvertierung von Wandelschuldverschreibungen in Höhe von 12 Millionen US-Dollar und der Rückzahlung eines Darlehens über 5 Millionen US-Dollar gilt das Unternehmen als schuldenfrei. Unterstützt wurde diese Konsolidierung durch eine Kapitalerhöhung im zweiten Quartal, die einen Bruttoerlös von 700 Millionen SEK einbrachte.

Trotz dieser Fortschritte spiegeln sich die Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten noch in den Ergebnissen des zweiten Quartals wider, das am vergangenen Sonntag präsentiert wurde. Bei einem Umsatz von 53,8 Millionen SEK lag das bereinigte EBITDA bei minus 35,5 Millionen SEK.

Dennoch konnte der Produktumsatz auf Basis konstanter Wechselkurse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent gesteigert werden. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens wird derzeit mit 724,70 Millionen € bewertet.

Technologische Meilensteine in den Segmenten

In der Sparte Photonics setzt Sivers auf ein hybrides Fertigungsmodell. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist die Erweiterung des Standorts in Glasgow, die bis Ende 2027 abgeschlossen sein soll. Damit will das Unternehmen seine Kapazitäten im Bereich der InP-Lichtquellen deutlich ausbauen, ein Programm, das bereits vor rund zwei Wochen konkretisiert wurde.

Im Wireless-Segment zielt Sivers darauf ab, bis Ende 2026 ein Produkt für einen Tier-1-Telekommunikationsanbieter im Bereich Fixed Wireless Access (FWA) bereitzustellen.

An der Börse reagierte das Papier heute verhalten und notiert bei 2,39 €. Damit verbleibt die Aktie in einer schwierigen mittelfristigen Verfassung, da sie einen Abstand zum 52-Wochen-Hoch von -77% aufweist.

Das Management sieht in dem geplanten US-Listing jedoch den entscheidenden Hebel, um die Sichtbarkeit bei internationalen Investoren zu erhöhen und die Bewertung an die technologischen Fortschritte anzupassen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die Inflexion beim Umsatz wie geplant realisiert werden kann.