Ein Aktienkurs verliert an einem einzigen Tag mehr als zwölf Prozent. Der Grund: höhere Verluste als bisher bekannt. Sivers Semiconductors steckt mitten in einem Umbau seiner Finanzberichterstattung – und der kostet Vertrauen.
Die schwedische Technologiefirma bereitet ein Zweitlisting an der Nasdaq vor. Dafür muss sie ihre Bilanzen an die strengeren US-Standards des PCAOB anpassen. Am Donnerstag fiel die Aktie um 12,24 Prozent auf 3,11 Euro.
Höhere Verluste, niedrigerer Umsatz
Der sogenannte „Audit Uplift“ hat Spuren hinterlassen. Laut Unternehmensmitteilungen vom Mai 2026 musste Sivers seine Zahlen für 2025 nach oben korrigieren – beim Verlust, nicht beim Gewinn. Der Nettoverlust für das Geschäftsjahr 2025 liegt jetzt bei 222,6 Millionen schwedischen Kronen. Ursprünglich hatte das Unternehmen nur 186,5 Millionen Kronen gemeldet.
Auch der Umsatz für 2024 wurde nach unten korrigiert. Statt 243,7 Millionen Kronen weist Sivers nun 219,2 Millionen Kronen aus. Das Management erklärt die Korrekturen mit einer Neuzuordnung von Umsätzen zwischen Berichtsperioden und überarbeiteten Lagerbewertungen.
Die Anpassungen waren für das US-Listing notwendig. Trotzdem verändern die höheren Verluste, wie der Markt den Weg des Unternehmens zur Profitabilität einschätzt.
Kapitalspritze mit Nebenwirkungen
Parallel zur Bilanzrevision hat Sivers frisches Geld eingesammelt. Am 30. Juni 2026 beschloss das Unternehmen eine gerichtete Kapitalerhöhung über rund 700 Millionen Kronen. Der Zeichnungspreis lag bei 57 Kronen je Aktie, ermittelt über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren.
Das Geld soll in den Ausbau der Fertigungskapazität für Indium-Phosphid-Laser und optische Verstärker fließen. Diese Komponenten sind zentral für KI-Rechenzentren der nächsten Generation und für LiDAR-Systeme in Autos. Die Kapitalerhöhung stärkt zwar die Bilanz, verwässert aber bestehende Aktionäre – ein Effekt, der den Kurs in den Wochen danach zusätzlich belastet hat.
Charttechnik zeigt Ausverkauf
Der aktuelle Kurs von 3,11 Euro liegt fast 70 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro vom 3. Juni 2026. Auch zum 50-Tage-Durchschnitt von 6,13 Euro klafft eine Lücke von rund 49 Prozent – ein Signal für den anhaltenden Abwärtsdruck der vergangenen Wochen.
Bemerkenswert: Fünf Mitglieder des Verwaltungsrats kauften am 13. Juli 2026 Aktien zu. Die Käufe folgten auf die Zustimmung der Hauptversammlung im Juni und fielen nur wenige Tage vor dem Ende einer wichtigen Lock-up-Frist am 16. Juli 2026.
Verschobener Berichtskalender
Anleger müssen sich länger gedulden, bis sie mehr über die operative Entwicklung erfahren. Anfang Juli hat Sivers seinen Finanzkalender angepasst, um die strengeren US-Prüfstandards einzuhalten. Der Zwischenbericht für das zweite Quartal 2026 erscheint nun erst am 27. August 2026.
Die Berichte für das dritte und vierte Quartal folgen am 26. November 2026 und am 25. Februar 2027. Bis dahin bleibt der Markt auf die verfügbaren Bilanzdaten und die jüngsten Insiderkäufe angewiesen, um die weitere Entwicklung einzuordnen.
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