Sivers Semiconductors hat frisches Kapital eingesammelt. Investoren griffen mehrfach überzeichnet zu. Der Aktienkurs des schwedischen Photonik- und Funkchip-Spezialisten bricht trotzdem weiter ein.

Am Freitag schloss die Aktie bei 5,20 Euro. Das ist ein Tagesplus von 18,34 Prozent, klingt nach Erholung. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 11,86 Prozent zu Buche, über 30 Tage sogar ein Rückgang von 37,72 Prozent.

Kapitalerhöhung findet reißenden Absatz

Der Vorstand beschloss eine gerichtete Aktienplatzierung von 12,28 Millionen neuen Stammaktien. Das entspricht rund 700 Millionen schwedischen Kronen. Die Hauptversammlung hatte die Ermächtigung dafür zuvor erteilt.

Der Zeichnungspreis lag bei 57 schwedischen Kronen je Aktie, ermittelt über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren. Das war ein Abschlag von rund 9,7 Prozent gegenüber dem Schlusskurs an der Nasdaq Stockholm vom 30. Juni 2026. Trotz des Abschlags war die Nachfrage stark: Sowohl neue als auch bestehende institutionelle Investoren aus Schweden und dem Ausland zeichneten die Platzierung mehrfach über. Pareto Securities begleitete die Transaktion als Manager und Bookrunner.

Parallel dazu verlängerten die Insider ihre Verkaufssperren. Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson verpflichteten sich ebenso wie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard, bis zum 16. Juli 2026 keine Aktien zu verkaufen. Frühere Lock-up-Vereinbarungen aus einer April-Platzierung liefen zu diesem Zeitpunkt noch, neue Vereinbarungen waren deshalb nicht nötig.

Zum 30. Juni 2026 — kurz vor Ausgabe der neuen Aktien — lag die Gesamtzahl der Sivers-Aktien bei 319.953.572 Stück. Mit der Registrierung der Neuemission wuchs diese Zahl weiter.

Kurs bleibt unter Druck

Die Aktie notiert 49,17 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro vom 3. Juni 2026. Gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,16 Euro liegt der Kurs 15,58 Prozent im Minus. Der RSI von 41,2 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 213,56 Prozent. Diese Zahl zeigt: Der Handel in Sivers-Aktien war zuletzt extrem unruhig.

Wachsende Pipeline trifft auf schrumpfenden Umsatz

Die Kapitalspritze kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen zwei gegenläufige Entwicklungen ausbalancieren muss. Im ersten Quartal 2026 meldete Sivers ein Wachstum der Auftragspipeline um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar gegenüber Ende 2025. Der Nettoumsatz fiel dagegen von 78,9 auf 61,9 Millionen schwedische Kronen — ein Rückgang von 22 Prozent im Jahresvergleich.

Das bereinigte EBITDA rutschte von minus 6,0 auf minus 13,8 Millionen schwedische Kronen. Der Verlust weitete sich damit um 7,8 Millionen Kronen aus.

Das Management macht dafür auch externe Faktoren verantwortlich. Der US-Regierungsstillstand im vierten Quartal 2025 verzögerte Verteidigungsbudgets und belastete die Erlöse im ersten Quartal zusätzlich. Ein ungünstiges Wechselkursumfeld kam hinzu. Zugleich stiegen die Kosten, weil Sivers mehr Vertriebsressourcen für die wachsende Pipeline aufbaut und sich auf ein mögliches Doppel-Listing in den USA vorbereitet.

Das Unternehmen selbst wertet die frische Kapitalspritze als strategisch wichtigen Schritt. Sie habe hochwertige institutionelle Investoren an Bord geholt und verschaffe genug finanziellen Spielraum, um die eigenen Pläne umzusetzen.

Die nächste Quartalsmeldung erwartet Sivers Anfang August. Dann zeigt sich, ob sich die Auftragspipeline aus den Bereichen KI, Satellitenkommunikation und Verteidigung endlich in Umsatzwachstum übersetzt — nach einem schwachen Start ins Jahr.