Die Papiere von Sivers Semiconductors befinden sich im freien Fall. Am Montag brach der Kurs um satte 16 Prozent auf 4,37 Euro ein. Innerhalb einer Woche verlor der schwedische Chip-Spezialist damit fast 30 Prozent an Wert. Der Grund für die Panik liegt in der Kapitalstruktur. Das Management hat in wenigen Tagen gleich zwei stark verwässernde Maßnahmen durchgedrückt.

Schuldenabbau auf Kosten der Aktionäre

Der jüngste Schlag traf die Anteilseigner am Montag. Der Kreditgeber Bootstrap Europe wandelte ein Darlehen über 12 Millionen US-Dollar in Aktien um. Dafür gibt Sivers knapp 22,8 Millionen neue Papiere aus. Die Folge: eine sofortige Verwässerung von rund 6,4 Prozent.

Finanzchef Heine Thorsgaard verteidigt den Schritt. Die Umwandlung reduziere die ausstehenden Schulden des Unternehmens erheblich. Derweil verdauen Investoren noch eine weitere Kapitalmaßnahme. Erst am 1. Juli platzierte Sivers neue Aktien im Wert von 700 Millionen Schwedischen Kronen.

Dieser Deal umfasste gut 12 Millionen Papiere. Der Ausgabepreis lag rund zehn Prozent unter dem damaligen Schlusskurs. Zwar meldete das Management eine starke Nachfrage von institutionellen Investoren. Die schiere Masse der neuen Aktien erdrückt nun aber den Börsenkurs. Die Gesamtzahl der ausstehenden Sivers-Aktien stieg in Rekordzeit um mehr als 35 Millionen Stück.

Leerverkäufer und Prüfer machen Druck

Der Ausverkauf fällt in eine ohnehin nervöse Phase. Seit Anfang Juni attackiert der Leerverkäufer Ningi Research das Unternehmen. Die Vorwürfe wiegen schwer. Sivers soll gegen Buchhaltungsregeln verstoßen und fragwürdige Umsätze verbucht haben. Dabei geht es laut Ningi um knapp ein Drittel der für 2025 erwarteten Erlöse.

Zuvor hatte bereits der eigene Wirtschaftsprüfer Zweifel am Fortbestand des Unternehmens geäußert. Auch die operative Entwicklung liefert gemischte Signale. Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz um 22 Prozent. Dem steht immerhin eine prall gefüllte Projekt-Pipeline im Wert von knapp 800 Millionen Dollar gegenüber.

Sperrfrist und Termine

Um den Kursverfall zu stoppen, zieht das Management nun eine Notbremse. Sivers verzichtet für 120 Tage auf die Ausgabe weiterer Aktien. Parallel dazu greift eine Sperrfrist für das Top-Management. Bis zum 16. Juli 2026 dürfen Führungskräfte keine eigenen Papiere verkaufen.

Trotz dieser Beruhigungspillen bleibt das Chartbild verheerend. Die Aktie handelt mittlerweile gut 57 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Juni. Die nächste harte Bewährungsprobe steht am 6. August 2026 an. Dann präsentiert Sivers den Bericht für das zweite Quartal. An diesem Tag muss das Management die Vorwürfe der Leerverkäufer mit belastbaren Zahlen entkräften.