Eine ausgelaufene Sperrfrist für Insider-Aktien hat bei Sivers Semiconductors einen heftigen Kurseinbruch ausgelöst. Der schwedische Photonik- und Funktechnik-Spezialist verlor binnen sieben Tagen fast 26 Prozent. Am Freitag schloss die Aktie bei 3,19 Euro, nach einem zwischenzeitlichen Tagesminus von mehr als 13 Prozent.
Sperrfrist läuft aus, Verkaufsdruck steigt
Im Zuge einer gezielten Aktienemission hatten sich mehrere Vorstände zu Lock-up-Vereinbarungen verpflichtet. Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard durften ihre Aktien bis zum 16. Juli 2026 nicht verkaufen.
Mit Ablauf dieser Frist verschwand eine technische Bremse aus dem Markt. Insider-Aktien waren bislang blockiert, jetzt können sie gehandelt werden. Die Kursdaten der vergangenen Tage zeigen: Der Markt reagierte sofort und heftig.
Der 30-Tage-Rückgang summiert sich mittlerweile auf 64,77 Prozent. Am 3. Juni hatte die Aktie mit 10,23 Euro noch ihr 52-Wochen-Hoch markiert. Heute liegt der Kurs fast 69 Prozent darunter.
Kapitalerhöhung verwässerte die Aktienbasis
Der Absturz kommt nicht aus dem Nichts. Vorausgegangen war eine Serie von Kapitalmaßnahmen, die die Aktienzahl deutlich ausweitete.
Gestützt auf die Ermächtigung der Hauptversammlung vom 15. Juni 2026 beschloss der Vorstand eine gezielte Emission von 12.280.701 Stammaktien. Der Zeichnungspreis lag bei 57 schwedischen Kronen je Aktie – ein Abschlag von rund 9,7 Prozent zum Schlusskurs vom 30. Juni. Insgesamt flossen dem Unternehmen so umgerechnet rund 700 Millionen Kronen vor Transaktionskosten zu.
Die Emission war mehrfach überzeichnet. Schwedische und internationale institutionelle Investoren beteiligten sich, darunter neue wie bestehende Aktionäre. CEO Vathulya begründete den Schritt mit der Stärkung der Bilanz: Das Unternehmen wolle so wachsende Marktchancen nutzen und Kapazitäten in der InP-Fertigung für das Photonik-Geschäft ausbauen. Lange Lieferzeiten bei Fertigungsanlagen machten frühzeitige Investitionen nötig, so Vathulya.
Vorstände kaufen trotz fallender Kurse
Bemerkenswert: Während die Aktie abstürzte, stockten mehrere Vorstandsmitglieder ihre Bestände auf. Am 13. Juli meldete Sivers, dass Bami Bastani, Karin Raj, Helena Svancar, Todd Thomson und Joakim Nideborn Aktienkäufe abgeschlossen hatten, die bereits die Hauptversammlung genehmigt hatte. Diese Aktien müssen mindestens zwölf Monate gehalten werden. Auch der CEO kaufte zusätzliche Anteile.
Ein Vorstandsmitglied hatte bereits Anfang Juli Aktien erworben – zu einem deutlich höheren Kurs als heute. Der Unterschied zeigt, wie schnell sich die Lage seither gedreht hat.
Bilanzstruktur im Umbau
Parallel zur Kapitalerhöhung arbeitet Sivers an strengeren Berichtsstandards. Am 9. Juli kündigte das Unternehmen Änderungen am Finanzberichtskalender an. Hintergrund sind künftige regulatorische Anforderungen und US-PCAOB-Prüfvorgaben im Zusammenhang mit dem angestrebten Doppel-Listing.
Technisches Bild bleibt angeschlagen
Mit einem RSI von 34,2 gilt die Aktie als überverkauft. Der 50-Tage-Durchschnitt von 6,11 Euro liegt fast 48 Prozent über dem aktuellen Kurs – ein deutliches Zeichen für das Ausmaß des jüngsten Einbruchs. Die annualisierte Volatilität von knapp 142 Prozent unterstreicht, wie turbulent der Handel geworden ist.
Trotz des scharfen Rückschlags notiert die Aktie noch weit über ihrem 52-Wochen-Tief von 0,265 Euro vom 3. März – ein Plus von rund 1.100 Prozent seither. Investoren stehen damit vor einer Abwägung: eine frisch gestärkte Bilanz auf der einen Seite, technischer Schaden durch den Verkaufsdruck nach Ablauf der Sperrfrist auf der anderen.
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