Sivers Semiconductors treibt den Ausbau seiner Chipfertigung in Schottland voran. Der schwedische Halbleiterhersteller kündigte am Donnerstag eine strategische Investition von 30 Millionen US-Dollar an, um seine Fertigungsanlage für Indiumphosphid-Bauteile (InP) in Glasgow deutlich zu erweitern. Grund sind erwartete Produktionshochläufe bei Kunden, getrieben von wachsender Nachfrage aus dem Bereich KI-Rechenzentren und optische Netzwerktechnik.
Kapazität soll sich massiv erhöhen
Nach Abschluss des Ausbaus soll die Anlage jährlich mehr als 100 Millionen CW-DFB-Laser produzieren können. Zusätzlich sollen neue Prozessfähigkeiten, mehr Automatisierung und größere Fertigungsflexibilität entstehen. Das Ausbauprogramm soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen und im vierten Quartal 2027 betriebsbereit sein.
Für Sivers markiert die Investition einen wichtigen Schritt im Übergang von einem sogenannten Fab-Lite-Modell zu einer hybriden Fertigungsstrategie. Dabei kombiniert das Unternehmen ausgeweitete Eigenfertigung mit strategischen Foundry-, Verpackungs- und Fertigungspartnern. Der Umbau soll Sivers unabhängiger von externen Zulieferern machen und gleichzeitig die Reaktionsfähigkeit auf große Kundenaufträge erhöhen.
Kontext einer bewegten Woche
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der die Sivers-Aktie ohnehin stark in Bewegung ist. Gestern hatten Kapitalmaßnahmen und Geschäftszahlen den Kurs bereits um 10,3 Prozent nach oben getrieben.
Heute legt das Papier weitere 10 Prozent zu und notiert bei 2,15 Euro, nach einem Schlusskurs von 1,95 Euro am Mittwoch. Die Investitionsankündigung aus Glasgow dürfte Anlegern signalisieren, dass Sivers trotz der zuletzt schwierigen Kursentwicklung operativ auf Wachstum setzt.
Der jüngste Kursanstieg kann die Verluste der vergangenen Wochen allerdings nicht annähernd ausgleichen. Über die vergangenen 30 Tage steht bei der Aktie ein Minus von 38 Prozent, ausgelöst unter anderem durch das InP-Lichtquellenprogramm vor gut drei Wochen und die Präsentation des Zwischenberichts zum zweiten Quartal am vergangenen Sonntag. Beide Ereignisse hatten den Kurs zunächst belastet, bevor die aktuelle Investitionsmeldung neue Kauflaune auslöste.
Wachsende Auftragspipeline als Fundament
Die Fabrikerweiterung steht nicht isoliert, sondern fügt sich in eine Serie operativer Fortschritte. Sivers hatte zuletzt eine Kooperation mit Jabil zur Entwicklung eines energieeffizienten 1,6T-Pluggable-Transceiver-Moduls bekanntgegeben und eine strategische Zusammenarbeit mit GlobalFoundries im Bereich Silizium-Photonik für KI-Infrastruktur angekündigt.
Von ALL.SPACE erhielt das Unternehmen einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen US-Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips, der einen Produktionshochlauf im Jahr 2027 unterstützen soll.
Das Unternehmen hatte zudem gemeldet, dass sich die Opportunity-Pipeline bis Juli auf 1,2 Milliarden US-Dollar ausgeweitet habe – ein Anstieg von 268 Prozent gegenüber Dezember 2025. Ob sich dieses Wachstumstempo in den kommenden Quartalen in tatsächlichen Umsätzen niederschlägt, dürfte für Anleger die entscheidende Frage bleiben.
Der nächste Zwischenbericht zum dritten Quartal 2026 ist für den 26. November angesetzt und wird zeigen, ob die angekündigten Kapazitätserweiterungen bereits erste Kundenaufträge in konkrete Fertigungsvolumina übersetzen.
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