Sivers Semiconductors steht unter massivem Druck. Behörden ermitteln, Short-Seller greifen an und das Management flüchtet. Die Folge: Investoren werfen ihre Papiere massenhaft auf den Markt. Allein in den letzten sieben Tagen stürzte der Kurs um fast 32 Prozent ab.
Leerverkäufer bauen Positionen aus
Am Freitag schloss die Aktie bei 5,90 Euro. Das entspricht einem Tagesverlust von gut neun Prozent. Parallel wetten immer mehr Marktakteure auf einen weiteren Absturz. Die Leerverkaufsquote sprang von 1,6 Prozent im März auf mittlerweile 17 Prozent.
Das deckt sich mit der extremen Schwankungsbreite. Die annualisierte Volatilität liegt aktuell bei über 224 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro Anfang Juni ist das Papier weit entfernt.
Bilanzen im Visier der Prüfer
Behörden in Schweden und den USA untersuchen das Unternehmen. Es geht um den möglichen Verrat von Geschäftsgeheimnissen und nötige Bilanzkorrekturen. Hinzu kommen schwere Vorwürfe von Ningi Research. Der Leerverkäufer zweifelt die Finanzberichte massiv an. Laut Ningi ist fast ein Drittel der gemeldeten Umsätze für 2025 fragwürdig.
Sivers musste bereits reagieren. Das Unternehmen korrigierte den Nettoverlust für 2025 nach US-Rechnungslegungsstandards auf 222,6 Millionen Schwedische Kronen nach oben. Zuvor standen 186,5 Millionen Kronen in den Büchern. Wirtschaftsprüfer äußern inzwischen öffentlich Zweifel am Fortbestand des Unternehmens.
Führungskrise und Verwässerung
Die interne Stabilität bröckelt ebenfalls. Tomas Duffy und zwei der Gründungsaktionäre haben ihre Posten geräumt. Im gleichen Schritt strich das Management eine geplante Abstimmung über ein US-Listing.
Stattdessen beschloss die Führung eine Kapitalmaßnahme. Die Ausgabe neuer Aktien verwässert den Anteil der Altaktionäre um rund 15 Prozent. Diese strukturellen Einschnitte folgen auf ein schwaches erstes Quartal. Der Umsatz brach im Jahresvergleich um 22 Prozent ein.
Operatives Geschäft rückt in den Hintergrund
Das Kerngeschäft spielt angesichts der juristischen Probleme kaum noch eine Rolle. Sivers treibt zwar technische Partnerschaften mit GlobalFoundries und ALL.SPACE voran. Nennenswerte Umsatzbeiträge aus diesen Projekten erwarten Experten aber frühestens Ende 2026.
Am 6. August legt Sivers Semiconductors die nächsten Quartalszahlen vor. Dann muss das Management konkrete Antworten zu den Bilanzkorrekturen und den laufenden Ermittlungen liefern. Bis dahin bestimmen die juristischen Auseinandersetzungen den Kursverlauf.
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