Die schwedische Wirtschaftsbehörde ermittelt gegen Sivers Semiconductors. Der Vorwurf: Ein möglicher Informationsleck vor der offiziellen Ankündigung des geplanten US-Dual-Listings. Rund 48 Stunden vor der Unternehmensmeldung tauchte eine entsprechende Nachricht in sozialen Medien auf – der Aktienkurs schoss daraufhin massiv nach oben.
Staatsanwalt Jonas Myrdal spricht von einem auffälligen Muster. Die vorzeitige Veröffentlichung sei vermutlich kein Zufall, so Myrdal. Er sieht Parallelen zu früheren Pump-and-Dump-Fällen. Die Quelle des Lecks ist bislang unklar. Der Staatsanwalt empfiehlt der Nasdaq-Börse, den Vorfall unter der EU-Marktmissbrauchsverordnung zu prüfen.
Dual-Listing und verzögerter Jahresabschluss
Sivers bereitet seit längerem eine Zweitnotierung an der Nasdaq New York vor. Dafür musste der Konzern seine Jahresabschlüsse 2024 und 2025 auf US-Prüfungsstandards (PCAOB) anheben. Der Mehraufwand führte zur Verschiebung des Geschäftsberichts 2025. Die Hauptversammlung wurde auf den 15. Juni 2026 vertagt.
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Schwaches erstes Quartal – starke Pipeline
Parallel zu den Ermittlungen veröffentlichte Sivers den Zwischenbericht für das erste Quartal 2026. Die Nettoerlöse fielen auf 61,9 Millionen SEK, ein Rückgang von 22 Prozent im Jahresvergleich. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen SEK. Grund seien Verzögerungen bei US-Verteidigungsbudgets nach einem Shutdown im vierten Quartal 2025 sowie ein ungünstiger Wechselkurs.
Trotz der verhaltenen Zahlen wuchs die Opportunity Pipeline massiv. Sie legte seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf knapp 800 Millionen US-Dollar zu. CEO Vickram Vathulya hält am Umsatzwachstumsplan für 2026 fest. Das zweite Halbjahr soll die entscheidende Dynamik bringen. Ab 2027 rechnet das Unternehmen mit mehreren Produktionsanläufen. Die langfristige Prognose einer jährlichen Wachstumsrate von 25 bis 30 Prozent bleibt bestehen.
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Fortschritte in Photonik und Funk
Im Kerngeschäft – Photonik und drahtlose Lösungen für KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation, Verteidigung und Festnetz-Funk – kommt Sivers voran. Ein US-Verteidigungsauftragnehmer erteilte einen Entwicklungskonzept, das EW-Star-Projekt erhielt die zweite Förderrunde unter dem US-Chips-Gesetz. Zudem brachte der Konzern neue SATCOM-Chips und Antennenpanels auf den Markt. Die Daybreak-5G/6G-ICs für FR3-Anwendungen sind nun allgemein verfügbar.
Derweil bleiben die Ermittlungen der schwedischen Behörde der dominierende Faktor für den Aktienkurs. Ein Verstoß gegen die Marktmissbrauchsverordnung könnte empfindliche Strafen nach sich ziehen. Die Nasdaq-Prüfung wird zeigen, ob das Leck systematisch genutzt wurde.
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