Ein Kurssprung von 18,34 Prozent an einem einzigen Tag klingt nach guten Nachrichten. Bei Sivers Semiconductors steckt dahinter aber vor allem eine massive Verwässerung der Aktionärsbasis. Der schwedische Photonik- und Funkchip-Spezialist hat innerhalb von drei Tagen zwei Kapitalmaßnahmen durchgezogen, die seine Aktienzahl auf über 355 Millionen Stück hochgetrieben haben.
Am Freitag schloss die Aktie bei 5,20 Euro. Damit bleibt sie trotz der Rally fast die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni 2026. Auf Wochensicht steht immer noch ein Minus von 11,86 Prozent, über 30 Tage sind es sogar 37,72 Prozent.
Zwei Kapitalmaßnahmen in drei Tagen
Den Anfang machte am 1. Juli eine gerichtete Aktienemission. Sivers gab 12.280.701 neue Aktien aus und sammelte damit rund 700 Millionen schwedische Kronen ein. Der Ausgabepreis lag bei 57 Kronen je Aktie – ein Abschlag von etwa 9,7 Prozent zum Schlusskurs vom 30. Juni.
Die Emission stützte sich auf eine Ermächtigung der Hauptversammlung vom 15. Juni. Sie war laut Unternehmensangaben mehrfach überzeichnet. Sowohl schwedische als auch internationale institutionelle Investoren beteiligten sich, darunter neue und bestehende Aktionäre.
Zwei Tage später zog der Kreditgeber Bootstrap Europe nach. Er übte sein Wandlungsrecht auf ein Darlehen über 12 Millionen Dollar aus. Der Vorstand beschloss daraufhin die Ausgabe von 22.847.044 neuen Stammaktien an Bootstrap.
Das Darlehen stammt aus einer Refinanzierung vom Februar 2026. Damals hatte sich Sivers sämtliche externe Kreditlinien neu geordnet und sich bei Bootstrap eine Kreditfazilität über 17 Millionen Dollar gesichert. Enthalten war ein festverzinsliches, besichertes Wandeldarlehen über 12 Millionen Dollar, wandelbar zu 4,77 Kronen je Aktie. Die Bezahlung der neuen Aktien erfolgte durch Verrechnung mit der Forderung von Bootstrap.
Verwässerung von über sechs Prozent binnen einer Woche
Die Bootstrap-Wandlung allein hob die Gesamtzahl der Aktien von 332.234.273 auf 355.081.317 – eine Verwässerung von rund 6,4 Prozent für die bestehenden Aktionäre. Zusammen mit der Emission vom 1. Juli ist die Aktienzahl gegenüber den 319.953.572 Stück zum 30. Juni deutlich gewachsen.
Die gerichtete Emission erforderte zudem einen Umweg um eine bestehende Vereinbarung. Im April 2026 hatte sich Sivers gegenüber Pareto Securities zu einer 180-tägigen Stillhaltefrist verpflichtet, die weitere Aktienausgaben eigentlich blockierte. Pareto gewährte eine Ausnahme, damit die neue Platzierung stattfinden konnte. Im Gegenzug verpflichtete sich Sivers zu einer neuen 120-tägigen Stillhaltefrist nach Abschluss der aktuellen Emission.
Insider bleiben bis Mitte Juli gebunden
Trotz der frischen Verwässerung dürfen die wichtigsten Insider weiterhin nicht verkaufen. Die Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard hatten sich verpflichtet, bis zum 16. Juli 2026 keine Aktien zu veräußern. Diese Lock-up-Vereinbarungen bestehen unverändert fort – neue Bindungen im Zusammenhang mit der Emission gab es nicht.
CEO Vathulya deutete die starke Nachfrage nach der Platzierung als Vertrauensbeweis. Die erfolgreiche Kapitalerhöhung sei eine solide Bestätigung des wachsenden Investoreninteresses an den Fokusmärkten des Unternehmens – KI, Satellitenkommunikation und Verteidigung – sowie an dessen Technologien und Produkten.
Volatiler Kurs vor den Quartalszahlen
Die Aktie notiert derzeit rund 15,58 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 6,16 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 213 Prozent – ein Wert, der die Nervosität rund um den Titel unterstreicht.
Die nächste Gelegenheit, die frisch gestärkte Bilanz unter Beweis zu stellen, bietet sich im August. Dann veröffentlicht Sivers seinen nächsten Quartalsbericht. Bis dahin dürfte der Kurs empfindlich auf jede neue Unternehmensmeldung reagieren.
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