Die Aktie von Sivers Semiconductors gibt am heutigen Dienstag deutlich nach: Das Papier notiert bei 3,76 Euro und verliert damit 7,25 Prozent. Der Rückgang folgt auf eine Phase, in der mehrere Führungskräfte und Großaktionäre des schwedischen Halbleiterherstellers nach dem Ablauf einer Haltefrist ihre Positionen neu geordnet haben – mit gegenläufigen Signalen zwischen dem Vorstand und Teilen des Aufsichtsrats.
Gegenläufige Insider-Bewegungen nach Lock-up
Sivers Semiconductors meldete Mitte Juli eine Reihe von Transaktionen, die im Zusammenhang mit dem Ende einer Lock-up-Periode stehen. CEO Vickram Vathulya kaufte am 21. Juli zusätzliche 70.000 Aktien hinzu und hält damit nun 4.540.076 Aktien sowie 3.700.000 Mitarbeiteroptionen. Das Signal aus der Chefetage fällt damit klar in Richtung Zukauf aus.
Anders das Bild beim Verwaltungsratsvorsitzenden Bami Bastani: Er verkaufte am 16. Juli 275.000 Aktien, spendete zusätzlich 60.000 Aktien an gemeinnützige Organisationen und verschenkte 70.000 Aktien an Familienangehörige. Nach diesen Transaktionen verbleiben ihm noch 381.360 Aktien.
Auch Board-Mitglied Todd Thomson reduzierte über seine Gesellschaft Headwaters Capital LLC seine Position deutlich: Bis zum 22. Juli verkaufte er 950.000 Aktien und schenkte weitere 50.000 Aktien einer gemeinnützigen Organisation.
Sein verbleibender Bestand liegt bei 477.027 Aktien. Zusätzlich kündigte der Fonds Kairos Ventures an, seine aus dem MixComm-Verkauf 2022 stammenden Sivers-Aktien im Rahmen seines Fondsmandats an die eigenen Investoren auszuschütten beziehungsweise zu liquidieren.
Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Während der operative Vorstandschef Vertrauen in Form von Nachkäufen zeigt, nutzen Teile des Aufsichtsrats sowie ein früherer Fondsinvestor die frei gewordene Handelbarkeit, um Positionen zu verringern. Solche Bewegungen nach Lock-up-Ablauf sind bei Kapitalmarkttransaktionen keine Seltenheit, dürften aber zum Verkaufsdruck der vergangenen Handelstage beigetragen haben.
Kapitalerhöhung stärkt Bilanz, Kurs bleibt volatil
Vorausgegangen war den Insider-Transaktionen eine gerichtete Kapitalerhöhung, die Sivers Semiconductors Anfang Juli abschloss. Der Verwaltungsrat beschloss die Ausgabe von 12.280.701 neuen Stammaktien zu je 57 schwedischen Kronen, was einem Bruttoerlös von 700 Millionen Kronen entspricht.
Die Platzierung war laut Unternehmensangaben mehrfach überzeichnet, schwedische und internationale institutionelle Investoren beteiligten sich. Die frische Liquidität dürfte die finanzielle Basis für die angestrebte Wachstumsstrategie des Unternehmens stärken.
Die Handelsdaten spiegeln die hohe Schwankungsbreite der Aktie wider, die seit der Kapitalmaßnahme zu beobachten ist. Auf Sicht von 30 Tagen steht das Papier nahezu unverändert, doch der aktuelle Kurs liegt rund 27,40 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 5,18 Euro – ein Hinweis darauf, dass die kurzfristige Erholung der vergangenen Wochen inzwischen wieder abgegeben wurde.
Blick auf Zahlen und Termine
Operativ steht Sivers Semiconductors nach einem schwachen ersten Quartal 2026 unter Beobachtung. Der Umsatz sank im ersten Quartal auf 61,9 Millionen Kronen, ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr, währungsbereinigt betrug das Minus 11 Prozent. Ursächlich waren Verzögerungen bei US-Verteidigungsaufträgen sowie Wechselkurseffekte.
Das Unternehmen hielt zugleich an seinen Wachstumsplänen für das Gesamtjahr 2026 fest und verwies auf die zweite Jahreshälfte als erwarteten Haupttreiber. Als Beleg für die mittelfristige Nachfrage nannte Sivers eine im laufenden Jahr um 77 Prozent gewachsene Auftrags-Pipeline im Volumen von 799 Millionen US-Dollar per Ende Mai, getrieben von drahtlosen Beamformern und Indiumphosphid-Lasern.
Zu den jüngeren operativen Meldungen zählen eine Kooperation mit Jabil zu einem 1,6T-Pluggable-Transceiver-Modul, eine auf 1,5 Millionen US-Dollar bezifferte Entwicklungspartnerschaft mit Tachyon Networks im Bereich Festnetz-Funkzugang sowie eine Förderung im zweiten Jahr des Microelectronics-Commons-Projekts EW STAR.
Für die kommenden Wochen gilt bei Sivers Semiconductors eine geschlossene Handelsperiode nach EU-Marktmissbrauchsverordnung, die seit dem 28. Juli läuft und Insider-Transaktionen bis zur nächsten Berichtsveröffentlichung untersagt. Den Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026 will das Unternehmen am 27. August vor Handelsbeginn an der Nasdaq Stockholm vorlegen.
Bereits Anfang Juli hatte Sivers seinen Finanzkalender aktualisiert und dabei auch auf die angestrebte Prüfungsbereitschaft nach PCAOB-Standard verwiesen – ein Schritt, der im Zusammenhang mit dem Ziel einer zusätzlichen Börsennotierung steht.
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