Während Sivers Semiconductors einen Kredit über 17 Millionen US-Dollar aufgenommen hat, um seine für 2027 angepeilte Wachstumsstrategie zu finanzieren, positioniert sich am Markt gleichzeitig ein neuer Leerverkäufer gegen die Aktie.
Der Hedgefonds D. E. Shaw meldete am 4. August eine Netto-Leerverkaufsposition von 0,59 Prozent des Grundkapitals, umgerechnet knapp 2,1 Millionen Aktien. Die Meldung ging bei der schwedischen Finanzaufsicht Finansinspektionen ein.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Kurz zuvor hatte sich ein anderer Leerverkäufer, Jane Street, aus dem öffentlichen Register zurückgezogen, nachdem die Position unter die Meldeschwelle von 0,5 Prozent gefallen war.
Der Wechsel zeigt, wie unterschiedlich institutionelle Investoren die Aussichten des schwedischen Photonik-Unternehmens derzeit einschätzen – ein Bild, das zur hohen Schwankungsbreite der Aktie passt. Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei knapp 190 Prozent.
Kreditfinanzierung soll Wachstumspipeline absichern
Am 31. Juli gab Sivers eine neue Finanzierungsstruktur bekannt: einen besicherten Kredit über 5,0 Millionen US-Dollar zu 12 Prozent Zins sowie einen besicherten Wandelkredit über 12,0 Millionen US-Dollar zu 10,85 Prozent.
Das Kapital soll die von Sivers selbst als „transformational 2027“ bezeichnete Wachstumsphase stützen, die auf einer Projekt-Pipeline mit einem angegebenen Volumen von 799 Millionen US-Dollar basiert. Darunter fällt auch ein Produktionsauftrag von ALL.SPACE über 8,2 Millionen US-Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips.
Parallel zur Kreditaufnahme wuchs die Aktienbasis: Zum 31. Juli erhöhte sich die Zahl der ausstehenden Aktien und Stimmrechte auf 355.081.317. Grund waren eine gerichtete Emission von 12.280.701 neuen Aktien sowie die Umwandlung eines Darlehens von Bootstrap Europe IV SCSp in 22.847.044 neue Stammaktien.
Diese Verwässerung erklärt zumindest teilweise, warum der Kurs trotz operativer Fortschritte unter Druck steht – zusätzlich hatten Insider-Verkäufe nach Ablauf einer Lock-up-Periode vor rund einem Monat für Verunsicherung gesorgt, seither hat sich das Papier aber um 22,6 Prozent erholt.
Guidance bestätigt trotz schwachem Jahresauftakt
Operativ zeigte sich das Unternehmen zuletzt widerstandsfähig gegenüber schlechten Nachrichten. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 fiel um 22 Prozent im Jahresvergleich auf 61,9 Millionen schwedische Kronen, belastet durch Verzögerungen bei US-Verteidigungsaufträgen infolge eines Regierungsstillstands sowie durch Währungseffekte. Das Management hielt dennoch an der Umsatzwachstumsprognose für das Gesamtjahr 2026 fest.
Zusätzlichen Rückenwind könnte eine regulatorische Entwicklung in den USA liefern: Zwischen Anfang Juni und Anfang August trieben Berichte den Kurs an, wonach die US-Regulierungsbehörde FCC Regeln zum Importverbot chinesischer optischer Transceiver für KI-Rechenzentren vorbereitet – eine Maßnahme, die westlichen Zulieferern wie Sivers zugutekommen dürfte, wie Reuters berichtete.
Vergangene Woche musste das Unternehmen zudem einen Falschbericht richtigstellen: Ein am 24. Juli kursierender Bericht hatte behauptet, Vorstandschef Vickram Vathulya habe 1.233.761 Aktien verkauft. Offizielle Unterlagen der Finansinspektionen bestätigten, dass diese Transaktion nie stattgefunden hat.
Kurs bleibt volatil, Blick geht auf Q3-Zahlen
Am Dienstag verlor die Aktie 7,57 Prozent und schloss bei 3,76 Euro – nach einem Plus von 21,29 Prozent auf Wochensicht bleibt die Bewegung erratisch. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 5,18 Euro liegt der Kurs damit deutlich zurück, was die Unsicherheit der Anleger über die kurzfristige Richtung unterstreicht.
Nächster konkreter Termin: Am 11. November will Sivers die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegen. Bis dahin dürfte der Markt weiter zwischen Wachstumsstory und Verwässerungssorgen schwanken.
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