Heute Abend endet die Abstimmungsfrist für die Aktionäre von Sivers Semiconductors. Die Papiere reagieren mit einem massiven Kursrutsch. Am Dienstag verliert die Aktie 12 Prozent und fällt auf 6,92 Euro. Ein toxischer Mix aus drohender Verwässerung, Leerverkäufern und juristischen Problemen belastet den Kurs.

Die Abstimmung über den US-Börsengang

Am 15. Juni findet die Hauptversammlung statt. Das Management plant ein Zweitlisting an der US-Börse Nasdaq. Dafür braucht der Vorstand frisches Kapital.

Aktionäre stimmen über eine weitreichende Ermächtigung ab. Der Vorstand will neue Aktien, Optionsscheine und Wandelanleihen ausgeben. Das entspricht einer möglichen Verwässerung von rund 15 Prozent. Die Mittel fließen in das US-Listing und Zukäufe im Bereich Künstliche Intelligenz.

Zusätzlich steht ein Aktienoptionsprogramm zur Abstimmung. Dieses bringt weitere zwei Prozent Verwässerung. Zwei neue Vorstandsmitglieder sollen die internationale Expertise für den US-Markt sichern.

Leerverkäufer und juristischer Druck

Parallel dazu tobt ein Kampf um die Aktienleihe. Die Nordea-Bank verlangt teilweise Zinsen von über 228 Prozent für geliehene Sivers-Papiere. Der Grund ist die knappe Liquidität. Die Leerverkaufsquote stieg von knapp zwei auf 17 Prozent des Streubesitzes.

Auslöser war ein kritischer Bericht von Ningi Research Anfang Juni. Die Analysten werfen dem Unternehmen aggressive Umsatzrealisierung und Verstöße gegen Bilanzierungsregeln vor. Daraufhin schalteten sich US-Anwaltskanzleien ein. Sie prüfen Sammelklagen wegen möglicher Wertpapierverstöße.

Die Folge: extreme Volatilität. Anfang Juni markierte die Aktie ein Jahreshoch bei 10,23 Euro. Seitdem brach der Kurs um über 32 Prozent ein.

Auf Monatssicht notiert das Papier allerdings noch 46 Prozent im Plus. Die schwedische Wirtschaftsbehörde ermittelt derweil wegen möglicher Informationslecks im Vorfeld der Nasdaq-Pläne.

Insider-Verkäufe und Bilanzkorrektur

Führungskräfte nutzen die Kursschwankungen für Verkäufe. Harish Krishnaswamy, Chef der Wireless-Tochter, veräußerte Ende Mai Aktien für rund 100 Millionen schwedische Kronen. Auch der langjährige Großaktionär Cicero Fonder stieß sein komplettes Aktienpaket ab. Insiderkäufe gab es in den letzten Monaten keine.

Erschwerend kommt eine Korrektur der Geschäftszahlen hinzu. Im Zuge der US-Börsenpläne passte Sivers die Bilanz für 2025 an. Der operative Verlust stieg auf 177,8 Millionen Kronen. Der Nettoverlust kletterte auf 222,6 Millionen Kronen.

Auch der Start ins neue Jahr verlief schwach. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen.

Das Management hält an seinen Prognosen fest. Ab 2027 peilt Sivers ein jährliches Umsatzwachstum von bis zu 30 Prozent an. Neue Indexaufnahmen bei Nasdaq und MSCI stützen die Nachfrage institutioneller Investoren.

Am 6. August präsentiert das Unternehmen den nächsten Zwischenbericht. Dann liegen auch die finalen Ergebnisse der Hauptversammlung vor.