Ein zweites Mal in diesem Jahr verschiebt Sivers Semiconductors seinen Quartalsbericht. Genau in dieser Phase kaufen Vorstand und Aufsichtsrat zusätzliche Aktien, statt sie abzustoßen. Die Kombination aus Verzögerung und Insider-Vertrauen sorgt für ein ungewöhnliches Signal.
Am Freitag schloss die Aktie des schwedischen Chipherstellers bei 4,25 Euro, ein Plus von 2,41 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 18,27 Prozent, auf Monatssicht sogar von 38,54 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,12 Milliarden Euro.
Neuer Kalender für den Nasdaq-Sprung
Am 9. Juli aktualisierte Sivers den Kalender für seine Finanzberichte. Der Grund: Das Unternehmen bereitet ein zweites Listing an der Nasdaq in den USA vor. Dafür muss Sivers die Anforderungen der US-Prüfbehörde PCAOB erfüllen.
Der Quartalsbericht für Q2 verschiebt sich dadurch auf den 27. August 2026 – bereits die zweite Verzögerung in diesem Jahr. Sivers begründet den Schritt mit dem Aufbau interner Kontrollen, die für den US-Listingprozess nötig sind.
Die Buchhaltung hat der Konzern bereits auf US-GAAP-Standards umgestellt, der New Yorker Börsengang soll um den Jahreswechsel 2026/2027 erfolgen.
Sperrfrist läuft aus, Insider kaufen zu
Nur wenige Tage nach der Kalenderänderung endet eine wichtige Sperrfrist. Die Aufsichtsratsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson unterliegen der Sperrfrist. Ebenso betroffen sind CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard – sie dürfen bis zum 16. Juli 2026 keine Aktien verkaufen. Diese Verpflichtung stammt aus einer im April beschlossenen Kapitalerhöhung.
Statt die auslaufende Frist für einen Ausstieg zu nutzen, griffen mehrere Führungskräfte zuletzt selbst zu und kauften zusätzliche Aktien. Marktbeobachter werten das als Vertrauensbeweis in die Geschäftsentwicklung – kurz vor dem verschobenen Zahlenwerk.
Bilanz nach Kapitalmaßnahmen neu geordnet
Die Berichtsverschiebung folgt auf eine Phase intensiver Bilanzarbeit. Der Aufsichtsrat beschloss eine Kapitalerhöhung über 12.280.701 neue Aktien, das entspricht umgerechnet rund 700 Millionen schwedischen Kronen. Der Zeichnungspreis lag bei 57 Kronen je Aktie, platziert über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren.
Die Emission war mehrfach überzeichnet. Sowohl schwedische als auch internationale institutionelle Investoren griffen zu, neue wie bestehende Aktionäre gleichermaßen.
Parallel dazu übte der Kreditgeber Bootstrap Europe am 3. Juli sein Wandlungsrecht auf eine Wandelanleihe über 12 Millionen Dollar aus. Dadurch entstanden 22.847.044 neue Aktien.
Bestehende Aktionäre wurden dadurch um etwa 6,4 Prozent verwässert. Beide Schritte sollen die Schuldenlast senken und frische Mittel für den Ausbau in KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation und Verteidigungstechnik bringen.
Extreme Schwankungen bleiben
Trotz der Bilanzbereinigung bleibt die Stimmung angespannt. Die Aktie notiert 58,46 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni 2026.
Auch zum 50-Tage-Durchschnitt von 6,23 Euro fehlt ein deutliches Stück. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität erreicht mit 222,42 Prozent ein extremes Niveau.
Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 39,2. Das deutet auf angeschlagene, aber nicht mehr extrem überverkaufte Technik hin.
Vom Jahrestief bei 0,27 Euro, erreicht am 3. März 2026, hat sich der Kurs deutlich erholt. Von seinem Hoch aus dem Frühsommer bleibt die Aktie dennoch weit entfernt.
Ausblick
Zwischen dem Ablauf der Sperrfrist am 16. Juli und dem neuen Berichtstermin am 27. August liegen mehrere Wochen ohne größeren Auslöser. Ob sich das Insider-Vertrauen in eine nachhaltige Erholung übersetzt, hängt davon ab, ob das Management die angekündigte Auftragspipeline in handfeste Zahlen verwandelt. Für den geplanten Nasdaq-Gang muss der Bericht zudem Glaubwürdigkeit zurückbringen, die zuletzt gelitten hat.
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