Der schwedische Photonik- und Funkspezialist Sivers Semiconductors startet heute in den OMX Stockholm Benchmark Index. Ein struktureller Meilenstein – der auf ein bemerkenswertes Spannungsfeld trifft: Die Auftragspipeline explodiert, die Quartalszahlen enttäuschen.
Indexaufnahme mit Zündstoff
Am 22. Mai gab Nasdaq die Halbjahresanpassung bekannt. Seit heute ist Sivers Teil des schwedischen Leitindex. Zeitgleich erfolgte die Aufnahme in den MSCI Sweden Small-Cap Index.
Indexfonds müssen nun umschichten – ein technischer Kaufdruck, der bei vielen Titeln für Rückenwind sorgt. Diesmal könnte der Effekt besonders spürbar sein: Rund 17 Prozent der frei handelbaren Aktien waren Ende Mai short verkauft, so S&P Global Market Intelligence. Anfang März lag dieser Anteil noch bei 1,6 Prozent. Steigende Kurse durch passive Indexkäufe könnten nun Leerverkäufer unter Druck setzen.
Quartalszahlen unter Druck
Die operative Entwicklung zeichnet ein anderes Bild. Der Umsatz fiel im ersten Quartal auf 61,9 Millionen Kronen – ein Rückgang von 22 Prozent zum Vorjahresquartal (78,9 Millionen). Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 13,8 Millionen Kronen, der operative Verlust auf minus 41,5 Millionen. Der Nettoverlust je Aktie belief sich auf minus 0,14 Kronen.
Hauptgrund sind Verzögerungen im US-Verteidigungshaushalt. Der Government Shutdown im vierten Quartal 2025 hatte die Budgetfreigaben blockiert. Hinzu kamen ungünstige Wechselkurse. CEO Vickram Vathulya verschiebt erwartete Erlöse nun in die zweite Jahreshälfte 2026.
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Der operative Cashflow lag bei minus 49,2 Millionen Kronen – eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorjahresquartal (minus 15,8 Millionen).
Pipeline auf Rekordniveau
Trotz des Umsatzrückgangs hellt sich der Ausblick auf. Die Opportunity Pipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar – neuer Höchststand. Das Wachstum zieht sich durch beide Kernsegmente, Photonik und Funk, mit Chancen in den Bereichen Verteidigung, Rechenzentren, Automobil und Fixed Wireless Access.
Das Management bestätigte die Jahresprognose: Umsatzwachstum mit Beschleunigung im Jahresverlauf. Mittelfristig peilt Sivers ein jährliches Plus von 25 bis 30 Prozent an. Die Profitabilität erwartet der Vorstand allerdings frühestens 2028.
Verteidigungsaufträge und Produktmeilensteine
Im ersten Quartal gab es mehrere konkrete Fortschritte. Ein großer US-Verteidigungskonzern erteilte einen Entwicklungsauftrag. Das CHIPS-Act-Programm EW-STAR des US-Verteidigungsministeriums bewilligte 6,6 Millionen Dollar für das zweite Förderjahr.
Im Datacom-Bereich arbeitet Sivers mit Jabil an einem steckbaren 1,6-Terabit-Transceiver-Modul für KI-Rechenzentren. Die Daybreak-Strahlformungs-ICs für FR3-5G- und 6G-Anwendungen sind nun allgemein verfügbar. Mit Tachyon Networks wurde eine Entwicklungs- und Produktionspartnerschaft für 60-GHz-Produkte geschlossen – Produktionsstart noch 2026.
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Das Automotive-LiDAR-Programm für einen großen Autohersteller soll im vierten Quartal 2026 in die Serienproduktion gehen.
PCAOB-Restatement ebnet Weg nach Nasdaq
Ein wichtiger Schritt Richtung US-Doppelnotierung: Sivers stellte seine Jahresabschlüsse 2024 und 2025 auf PCAOB-Standards um. Die Neubewertung offenbarte höhere Verluste: Für 2025 stieg der Nettoverlust von 186,5 auf 222,6 Millionen Kronen. Für 2024 reduzierte sich der Umsatz von 243,7 auf 219,2 Millionen Kronen, der Nettoverlust weitete sich auf 183,9 Millionen Kronen aus.
Das Management erklärte, die vorbereitenden Arbeiten für eine mögliche Nasdaq-Notierung seien weitgehend abgeschlossen. Zeitpunkt und Struktur blieben marktabhängig.
Hauptversammlung am 15. Juni setzt nächsten Termin
Am 15. Juni können Aktionäre über die künftige Strategie abstimmen. Die Tagesordnung sieht eine weitreichende Neubesetzung des Aufsichtsrats vor: Vizepräsident Tomas Duffy, Gründungsinvestor Erik Fallström und Keith Halsey scheiden aus. Vorgeschlagen sind Joakim Nideborn, ehemaliger CFO mehrerer börsennotierter Technologiefirmen, als neuer Vizepräsident und Helena Svancar, die über zwei Jahrzehnte internationale Führungserfahrung mitbringt.
Für das Geschäftsjahr 2025 wird keine Dividende vorgeschlagen, sämtliche Gewinnrücklagen sollen vorgetragen werden. Ein langfristiges Aktienoptionsprogramm über bis zu sieben Millionen neue Optionen steht ebenfalls zur Abstimmung.
DNB Carnegie, die die Aktie abdeckt, bewertete den Quartalsbericht als gemischt – starkes Pipeline-Wachstum bei noch zu geringen Umsätzen im Verhältnis zur Kostenbasis. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Indexaufnahme den Kurs nachhaltig stützt oder die fundamentale Entwicklung die Richtung vorgibt.
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