Millionen Aktien kommen plötzlich auf den Markt. Ein Vorstand kauft dazu, während andere Insider verkaufen. Bei Sivers Semiconductors sorgt das Ende einer Haltefrist gerade für Chaos im Kurs.
Der schwedische Chiphersteller hat mit dem Auslaufen einer zentralen Lock-up-Vereinbarung eine Verkaufswelle ausgelöst. Millionen Aktien wurden dadurch frei handelbar. Die Folge: heftige Kursausschläge, während das Unternehmen sich parallel auf einen Wechsel an die US-Börse vorbereitet.
Die Sperrfrist ist vorbei
Der Auslöser der aktuellen Turbulenzen liegt in einer Kapitalerhöhung vom 16. April 2026. Damals verpflichteten sich Management und Aufsichtsrat, ihre Anteile bis zum 16. Juli 2026 nicht zu verkaufen. Am 21. Juli bestätigte Sivers offiziell: Die Frist ist abgelaufen, die Aktien sind nun frei handelbar.
Die Reaktion einiger Insider ließ nicht lange auf sich warten. Aufsichtsratsmitglied Todd Thomson trennte sich über seine Investmentgesellschaft Headwaters Capital LLC bis zum 22. Juli von 950.000 Aktien. Zusätzlich spendete er 50.000 weitere Anteile an eine gemeinnützige Organisation. Auch Chairman Bami Bastani verkaufte bereits am ersten möglichen Handelstag 275.000 Aktien.
CEO Vickram Vathulya schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Er kaufte 70.000 zusätzliche Aktien und stockte seinen Bestand damit auf 4.540.076 Anteile auf. Hinzu kommen 3,7 Millionen Aktienoptionen aus seinem Mitarbeiterprogramm. Ein deutliches Signal in eine Marktphase, in der andere Insider verkaufen.
Der Kurs bricht massiv ein
Der zusätzliche Aktienangebot drückt spürbar auf die Bewertung. Die Aktie notiert aktuell bei 3,01 Euro und verliert damit heute 7,15 Prozent. Über die letzten 30 Tage summiert sich der Verlust auf gut 63 Prozent.
Noch am 3. Juni 2026 markierte das Papier bei 10,23 Euro sein 52-Wochen-Hoch. Heute liegt der Kurs rund 71 Prozent darunter. Der 50-Tage-Durchschnitt von 5,99 Euro liegt fast doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs — ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Stimmung gedreht hat.
US-Listing verzögert sich
Der Verkaufsdruck trifft Sivers Semiconductors ausgerechnet in einer heiklen Übergangsphase. Das Unternehmen durchläuft aktuell ein sogenanntes „Audit Uplift“ — die Anpassung der Finanzberichterstattung an die US-amerikanischen PCAOB-Standards. Diese Anpassung ist Voraussetzung für das geplante Dual-Listing an der Nasdaq in New York, mit dem Sivers Zugang zu internationalem institutionellem Kapital gewinnen will.
Wegen des zusätzlichen Prüfaufwands verschiebt das Unternehmen seinen Quartalsbericht für Q2 2026 auf den 27. August. Ab dem 28. Juli beginnt zudem eine sogenannte „Closed Period“ nach EU-Marktmissbrauchsverordnung. In diesem Zeitfenster dürfen Insider bis zur Veröffentlichung des Berichts keine weiteren Transaktionen mit Unternehmensanteilen vornehmen.
Der 14-Tage-RSI von 36,5 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Bis zur Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende August bleibt der Handel mit Insider-Aktien blockiert — der Markt muss die zusätzliche Aktienmenge bis dahin ohne weitere Signale aus dem Führungskreis verdauen.
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