Ein Shortseller-Bericht, ein Kurseinbruch und eine Insiderhandels-Ermittlung — Sivers Semiconductors erlebt gerade eine Woche, die das Vertrauen der Anleger auf eine harte Probe stellt.
Am 1. Juni 2026 veröffentlichte die Leerverkaufsfirma Ningi Research einen Bericht mit dem Titel „Dubious Revenue Accounting, Hollow Customer Contracts, and Broken Promises of an Imminent Volume Ramp-up Since 2018″. Der Vorwurf: Das schwedische Halbleiterunternehmen soll Anleger mit irreführenden Geschäftsinformationen getäuscht haben. Die OTC-gelisteten Papiere verloren daraufhin am selben Tag 9,2 Prozent.
Sammelklage und Betrugsvorwürfe
Die US-Kanzlei Rosen Law Firm bereitet eine Sammelklage vor. Anleger, die Sivers-Wertpapiere erworben haben, könnten ohne Vorschusskosten Schadensersatz geltend machen. Die Kanzlei untersucht, ob das Unternehmen wesentlich irreführende Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit gemacht hat.
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Die Vorwürfe treffen Sivers zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Erst drei Tage zuvor, am 29. Mai, hatte das Unternehmen seine Quartalszahlen für Q1 2026 veröffentlicht — und die waren alles andere als überzeugend. Der Nettoumsatz sank um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen, der operative Cashflow bei minus 49,2 Millionen Kronen. Als Ursachen nannte das Management einen US-Regierungs-Shutdown im vierten Quartal 2025, verzögerte Verteidigungsbudgets sowie ein ungünstiges Wechselkursumfeld.
Pipeline-Wachstum gegen Zahlen-Realität
Das Unternehmen versuchte, dem negativen Bild eine positive Seite entgegenzusetzen. Die Opportunity-Pipeline sei seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar gewachsen. Außerdem sicherte sich Sivers einen Entwicklungsvertrag mit einem führenden US-Rüstungskonzern, brachte neue Ka-Band-SATCOM-Chips auf den Markt und gab seine Daybreak-5G/6G-Schaltkreise zur allgemeinen Verfügbarkeit frei. Im Mai hatte das Unternehmen zudem rund 125 Millionen Kronen über eine gezielte Aktienplatzierung eingesammelt, um die Kapitalbasis zu stärken.
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Ob diese Meilensteine die Skepsis der Märkte zerstreuen können, bleibt fraglich — zumal ein weiteres Problem hinzukommt.
Insider-Ermittlung der schwedischen Wirtschaftspolizei
Parallel zur Shortseller-Affäre ermittelt die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde wegen eines möglichen Informationslecks. Auf der Plattform X war rund 48 Stunden vor der offiziellen Bestätigung durch Sivers ein Hinweis auf eine geplante Doppelnotierung an der Nasdaq New York aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft empfahl der Nasdaq, den Vorfall auf mögliche Verstöße gegen die EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) zu prüfen.
Sivers steht damit gleichzeitig unter dem Druck eines US-Sammelklageverfahrens, schwacher Quartalszahlen und einer laufenden Insiderhandels-Ermittlung in Schweden. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Management mit konkreten Umsatzbeweisen gegensteuern kann — oder ob der Ningi-Bericht nur der Auftakt zu weiteren Enthüllungen war.
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