Der US-Vermögensverwalter Voleon Capital Management ist bei Sivers Semiconductors kein öffentlich meldepflichtiger Leerverkäufer mehr. Die Position sank von 0,59 Prozent auf unter 0,5 Prozent des Kapitals, wie aus einer Mitteilung vom heutigen Freitag hervorgeht. Damit gibt es aktuell keinen einzigen Investor mehr, der eine Short-Position in der schwedischen Halbleiterfirma offenlegen muss – die schwedische Finanzaufsicht schreibt eine Meldung ab 0,1 Prozent und eine Veröffentlichung erst ab 0,5 Prozent vor.

Der Rückzug fällt in eine Phase, in der die Aktie ohnehin heftig unter Druck steht. Insgesamt bleiben laut der Mitteilung noch 2,7 Prozent der Aktien leerverkauft, verteilt auf Positionen unterhalb der Meldeschwelle. Voleon war zuletzt der letzte bekannte Adressat mit einer offengelegten Short-Wette gegen das Papier.

Kursverlauf bleibt turbulent

Im deutschen Handel notiert die Aktie aktuell bei 2,90 Euro, ein Minus von 3,40 Prozent am heutigen Tag. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro beträgt mittlerweile 71,67 Prozent – ein Ausmaß, das die extreme Schwankungsbreite des Titels in den vergangenen Monaten unterstreicht. Wer die Aktie auf dem Höchststand kaufte, sitzt heute auf einem massiven Buchverlust.

Auch im US-Handel unter dem Kürzel SIVEF zeigte sich zuletzt deutliche Nervosität: Das Papier schloss am Donnerstag bei 3,39 US-Dollar, ein Tagesminus von 12,63 Prozent gegenüber dem Vorschluss von 3,88 US-Dollar. Das Tageshoch lag bei 3,70 US-Dollar, das Tief bei 3,35 US-Dollar, bei einem Handelsvolumen von 2,71 Millionen Aktien. Die Diskrepanz zwischen dem europäischen und dem außerbörslichen US-Handel zeigt, wie fragmentiert und volatil die Preisbildung bei Sivers derzeit verläuft.

Dass gleichzeitig ein Short-Seller seine Position reduziert, während der Kurs weiter fällt, mag auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Für Anleger lässt sich daraus jedoch keine eindeutige Richtung ableiten – der Rückzug eines einzelnen Adressaten sagt wenig über die übrigen, nicht meldepflichtigen Short-Positionen aus, die mit 2,7 Prozent weiterhin ein spürbares Gewicht tragen.

Was die Entwicklung für Anleger bedeutet

Die Kombination aus hoher Volatilität und einem ausgedünnten Kreis öffentlicher Leerverkäufer verändert die Risikolage nicht grundlegend. Ohne meldepflichtige Shortseller entfällt zwar ein potenzieller Belastungsfaktor durch Eindeckungen oder neue Wetten gegen die Aktie, das strukturelle Muster der jüngsten Kursverluste bleibt davon aber unberührt. Die schwedische Aufsicht wird weitere Positionsänderungen erst wieder oberhalb der 0,5-Prozent-Schwelle veröffentlichen, sodass die tatsächliche Verteilung der verbleibenden 2,7 Prozent im Dunkeln bleibt.

Für Sivers-Aktionäre bleibt die Gemengelage damit unübersichtlich: Ein prominenter Short-Seller verabschiedet sich aus der Öffentlichkeit, während der Kurs sowohl in Europa als auch im außerbörslichen US-Handel deutlich nachgibt. Ob sich daraus eine Stabilisierung ergibt oder der Rückzug lediglich eine taktische Umschichtung darstellt, lässt sich aus der aktuellen Meldelage allein nicht ableiten.