Während die Aktie von Sivers Semiconductors binnen 30 Tagen fast 40 Prozent verlor, griffen Vorstand und Aufsichtsrat zu. Der CEO kaufte Aktien. Gleich vier weitere Insider zogen nach. Diese Käufe fallen mitten in einen der turbulentesten Monate der Firmengeschichte.
Ein brutaler Monat, ein ruhigerer Freitag
Am Freitag schloss die Aktie des schwedischen Chipherstellers bei 4,25 Euro, ein Plus von 2,41 Prozent. Ein kleiner Lichtblick nach einer verheerenden Phase: Auf Wochensicht steht immer noch ein Minus von 18,27 Prozent, auf Monatssicht sogar von 38,54 Prozent.
Der Kurs notiert nun 58,46 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni. Zum 52-Wochen-Tief von 0,27 Euro, aufgestellt am 3. März, liegt dennoch ein Abstand von über 1.500 Prozent — ein Beleg dafür, wie extrem volatil das Papier in den vergangenen zwölf Monaten war.
Technisch bleibt die Aktie tief im überverkauften Bereich. Der 14-Tage-RSI steht bei 39,2, die annualisierte 30-Tage-Volatilität bei extremen 222,42 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt von 6,23 Euro liegt weit über dem aktuellen Kurs, während der 100-Tage-Durchschnitt von 3,73 Euro inzwischen darunter rutschte. Das zeigt: Der jüngste Einbruch war ungewöhnlich steil im Vergleich zum mittelfristigen Trend.
Insider kaufen mitten in die Schwäche
Auffälligstes Signal der Woche: eine Welle an Insiderkäufen. CEO Vickram Vathulya kaufte am 9. Juli 24.000 Aktien zu 4,11 Dollar pro Stück.
Auch der Aufsichtsrat legte nach. Karin Raj erwarb 13.264 Aktien zu 3,14 Dollar, Helena Svancar 11.019 Aktien zu 3,78 Dollar und Joakim Nideborn 11.425 Aktien zu 3,65 Dollar. Am Donnerstag meldete zudem Board-Mitglied Todd Thomson einen Aktienkauf im Wert von gut 45.000 Dollar.
Das Timing sticht heraus. Die Lock-up-Frist für das Management endet erst am 16. Juli 2026 — ein Datum, ab dem Insider normalerweise verkaufen dürften, nicht kaufen.
Auftragspipeline und verschobener Quartalsbericht
Neben den Käufen gab es operative Nachrichten. Sivers bestätigte einen Produktionsauftrag von ALL.SPACE über 8,2 Millionen Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips. Parallel entwickelt das Unternehmen mit GlobalFoundries optische Lösungen für KI-Rechenzentren. Das Management beziffert die gesamte Projektpipeline auf rund 800 Millionen Dollar.
Der Zeitplan für die Finanzberichte verschiebt sich derweil erneut. Sivers verlegt den Quartalsbericht für das zweite Quartal auf den 27. August — die zweite Verzögerung in diesem Jahr. Grund ist die geplante Zweitnotierung an der Nasdaq: Die Umstellung auf US-Bilanzierungsstandards und die Vorbereitung auf künftige PCAOB-Prüfungen erhöhen die buchhalterische Komplexität. Das transatlantische Listing soll um den Jahreswechsel stehen.
Verwässerung bleibt ein Risikofaktor
Die Erholung der Aktie steht im Schatten einer deutlichen Ausweitung der Aktienzahl. Sivers schloss eine gerichtete Kapitalerhöhung über 700 Millionen schwedische Kronen ab und wandelte zusätzlich einen Kredit über 12 Millionen Dollar in Eigenkapital um.
Beide Schritte verwässern bestehende Aktionäre, stärken aber gleichzeitig die Bilanz. Die frische Liquidität soll den Ausbau in den Bereichen KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation und Verteidigung finanzieren.
Ausblick
Zwischen dem Ende der Lock-up-Frist am 16. Juli und dem verschobenen Quartalsbericht am 27. August fehlt Sivers vorerst ein größerer Termin, der den Kurs bewegen könnte. Ob sich die leichte Erholung der Woche zu einem echten Boden verfestigt oder nur eine Pause im Abwärtstrend darstellt, dürfte davon abhängen, ob Insider weiter kaufen, ob Kunden wie ALL.SPACE neue Aufträge platzieren und wie die Vorbereitungen für die Nasdaq-Notierung voranschreiten.
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