Ein Rekordtief, dann eine 5-Prozent-Rally binnen Stunden. SK Hynix liefert am Freitag eine Achterbahnfahrt, die technische Marktmechanik und ein Machtwort aus der Konzernspitze zusammenbringt.

Die US-Depositary-Shares des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers fielen im Handel zunächst auf 145,57 Dollar. Damit rutschten sie unter den Ausgabepreis von 149 Dollar, zu dem die ADS erst am 10. Juli an die Nasdaq gegangen waren. Käufer griffen zu, die Aktie erholte sich um rund 5 Prozent auf etwa 159,30 Dollar.

Optionsverfall setzt technischen Boden

Analysten machen dafür einen technischen Faktor verantwortlich: den ersten Verfall monatlicher Optionskontrakte auf die Nasdaq-Aktie überhaupt. Konzentrierte Aktivität in den Juli-Kontrakten löste Gamma-Käufe und Short-Covering aus. Händler mussten ihre Positionen eilig anpassen, das trieb den Kurs nach oben.

Dieser technische Boden kam zur rechten Zeit. Die gesamte Chipbranche steht unter Druck – steigende Kosten für KI-Infrastruktur und globale Zinsverschiebungen belasten die Stimmung.

Zinsschock aus Seoul

Die Woche zuvor war turbulent. Die südkoreanische Zentralbank hob am Donnerstag ihren Leitzins um 25 Basispunkte an – die erste Erhöhung seit rund dreieinhalb Jahren. Der Schritt löste einen Circuit Breaker am koreanischen Leitindex Kospi aus.

Die in Seoul gelisteten SK-Hynix-Aktien brachen daraufhin um 11 Prozent ein. Die Finanzaufsicht FSC verschärfte die Lage zusätzlich: Sie stoppte vorübergehend neue Genehmigungen für gehebelte Single-Stock-ETFs auf das Unternehmen, um übermäßige Spekulation einzudämmen.

Der Konzernchef beschwört die lange Frist

Auf dem KCCI-Forum auf der Insel Jeju wandte sich SK-Group-Chairman Chey Tae-won am Freitag an die Investoren. Seine Botschaft: langfristig denken. Südkorea müsse sich vom reinen Rohstoff-Lieferanten für Speicherchips zum Anbieter von KI-Intelligenz entwickeln, so Chey.

Der Rückhalt aus der Chefetage kommt nicht von ungefähr. SK Hynix hält im ersten Quartal 2026 einen Marktanteil von 58 Prozent im Geschäft mit High-Bandwidth-Memory-Chips, gemessen am Umsatz. Um diese Führung zu verteidigen, hat der Konzern ein Investitionsprogramm über 100 Billionen Won bestätigt – umgerechnet rund 64 Milliarden Dollar. Ein Teil davon fließt in die neue Fabrik M17 in Cheongju.

Bewertungsfrage bleibt offen

Die gesamte Halbleiterbranche befindet sich derzeit in einer Phase, in der Investoren die Bewertungen kritisch hinterfragen. Auch Konkurrenten wie Micron und AMD mussten zuletzt Kursrückgänge hinnehmen, weil Anleger am Tempo des Wachstums zweifeln.

Einige Analysten halten trotz der jüngsten Kursverluste an ihrem „Strong Buy“-Rating fest. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 330 Dollar. Die Investmentthese stützt sich auf den Wandel von SK Hynix zum Anbieter kundenspezifischer Speicherlösungen – ein Geschäft, dessen Bruttomarge von negativen Werten im Jahr 2023 auf über 79 Prozent Anfang 2026 gestiegen ist.

Die hochkapazitiven 12-Layer-HBM3E-Chips laufen inzwischen in Massenproduktion. Sie dürften der zentrale Treiber für den nächsten Quartalsbericht sein, den SK Hynix für den 22. Juli 2026 angesetzt hat.