Ein Kurssprung von acht Prozent am Vortag ist am Donnerstag komplett verpufft. SK Hynix stürzt in Seoul um 11,53 Prozent ab und wischt damit fast die gesamte Erholung der Vorwoche weg. Der Kurs sinkt auf 1.842.000 Won, binnen sieben Tagen büßt die Aktie 15,74 Prozent ein.
Der Auslöser liegt nicht in Südkorea. Ein Ausverkauf bei US-Chipherstellern schwappt über den Pazifik nach Asien. Micron Technology brach über Nacht um 8 Prozent ein, Intel verlor mehr als 4 Prozent, Lam Research und AMD gaben jeweils rund 3 Prozent nach.
Der gesamte Sektor gerät unter Druck
In Seoul erwischt es auch Samsung Electronics hart, die Aktie fällt um mehr als 7 Prozent. Seoul Semiconductor verliert über 5 Prozent, Samsung SDI mehr als 2 Prozent, LG Innotek rund ein Prozent.
Japan bleibt nicht verschont. Advantest sackt um mehr als 6 Prozent ab, SoftBank Group verliert fast 7 Prozent, Tokyo Electron gibt über 5 Prozent nach. Renesas Electronics schließt 4 Prozent tiefer.
Der KOSPI-Index startet mit einem Minus von 4,45 Prozent bei 6.960,50 Punkten. Im Verlauf rutscht er auf ein Tagestief von 6.753 Punkten ab. Damit rutscht der Leitindex in seinen 37. Sidecar des Jahres 2026 — eine automatische Handelsunterbrechung, die bei extremen Kursbewegungen greift. Der KOSPI befindet sich technisch nun in einem Bärenmarkt.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Bemerkenswert: Der Ausverkauf trifft eine Branche mit soliden Fundamentaldaten. Der niederländische Chipausrüster ASML hob seine Umsatzprognose für das laufende Jahr zum zweiten Mal an — auf 43 bis 45 Milliarden Euro, über den Erwartungen der Analysten. Der Konzern plant zudem, die Produktion seiner EUV-Lithografiemaschinen weiter hochzufahren.
Marktteilnehmer sehen die Ursache eher in überdehnten Positionierungen als in schlechteren Geschäftsaussichten. Louis Kondratev, Trader bei XFUNDs, verweist auf die enorme Gewichtung der Chipbranche im breiten Markt: Halbleiterwerte machen mittlerweile rund 20 Prozent des S&P 500 aus. Zum Vergleich: Während der Dotcom-Blase im Jahr 2000 lag dieser Anteil bei nur gut 8 Prozent, historisch pendelte er meist zwischen 2 und 5 Prozent.
Turbulente Wochen seit dem Nasdaq-Debüt
Seit dem grenzüberschreitenden Rekord-Listing an der Nasdaq in der Vorwoche kommt SK Hynix nicht zur Ruhe. Am Montag verzeichnete die Aktie ihren stärksten Tagesverlust überhaupt, weil Investoren angesichts wachsender Sorgen über die KI-Investitionsausgaben Gewinne mitnahmen. Der darauffolgende Rebound von 8 Prozent hielt gerade einmal einen Handelstag.
Analysten bleiben bei ihrer langfristig positiven Einschätzung. Kim Sunwoo, Senior-Analyst bei Meritz Securities, sagte gegenüber Reuters, DRAM-Anbieter könnten derzeit nur 75 bis 80 Prozent der Nachfrage decken. Die Engpässe dürften sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 verschärfen und 2027 auf eine Deckungsrate von nur noch rund 60 Prozent fallen — ein Szenario, das steigende Speicherpreise und höhere Gewinne stützen würde. HSBC verweist gegenüber Reuters zusätzlich auf die verbesserte Profitabilität von KI-Diensten, die weiterhin hohe Cloud-Investitionen stützen dürfte.
Die Kennzahlen zeigen das Ausmaß der jüngsten Korrektur deutlich. Binnen 30 Tagen hat die Aktie 22,67 Prozent verloren, sie notiert nun 38,33 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 2.987.000 Won vom 25. Juni. Der RSI von 40,5 signalisiert keine Überverkauft-Situation mehr, während die annualisierte Volatilität von 127,39 Prozent das Ausmaß der Schwankungen unterstreicht.
Trotz allem bleibt die Jahresbilanz beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht SK Hynix noch immer mit 172,63 Prozent im Plus. Die Korrektur der vergangenen Wochen relativiert sich damit, ohne den kurzfristigen Vertrauensverlust der Anleger zu kaschieren.
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