Ein Tag Absturz, ein Tag Erholung. SK Hynix zeigt diese Woche, wie nervös der Chipmarkt derzeit tickt. Am Donnerstag brach die Aktie um 14,57 Prozent auf 2.187.000 Won ein, am Freitag folgte die Gegenbewegung: Plus 10,88 Prozent auf 2.425.000 Won.
Der Auslöser für den Absturz lag nicht bei SK Hynix selbst. Die Wall Street hatte in der Nacht zuvor Chipwerte reihenweise abgestraft. Micron Technology verlor über 10 Prozent, Sandisk ebenfalls, Nvidia und Broadcom gaben zwischen einem und zwei Prozent nach. Diese Verkaufswelle schwappte nach Asien und erfasste auch Samsung Electronics, das am Donnerstag um 9,06 Prozent auf 286.000 Won fiel.
Analysten bleiben trotz Kurschaos optimistisch
Während die Aktie durchgeschüttelt wurde, schraubten koreanische Broker ihre Kursziele nach oben. IBK Investment & Securities hob sein Ziel für SK Hynix von 1,8 Millionen auf 4 Millionen Won an und bestätigte die Kaufempfehlung. Andere Häuser zogen nach, mit Zielen bei 4 und 4,1 Millionen Won. Begründet wird das mit der starken Nachfrage nach HBM-Speicherchips und KI-Anwendungen.
IBK-Analyst Kim Woon-ho rechnet für das zweite Quartal 2026 mit einem Umsatzsprung von 50,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 78,968 Billionen Won. Der operative Gewinn soll um 62,3 Prozent auf 61 Billionen Won steigen. Sollte diese Prognose eintreffen, würde SK Hynix zum elften Mal in Folge die Erwartungen übertreffen — eine Serie, die bis ins vierte Quartal 2023 zurückreicht, als High-Bandwidth-Memory-Chips richtig durchstarteten.
Kim sieht einen strukturellen Wandel hinter der Nachfrage. KI-Agentensysteme verbrauchen deutlich mehr Rechenleistung als klassische generative KI-Modelle. Das treibt die Nachfrage nach DRAM-Speicher an, weil Prozessoren im Zusammenspiel mit Agenten-KI wichtiger werden. Parallel steigt durch wachsenden Bedarf an KV-Cache-Speicher auch die NAND-Nachfrage.
Zwei Aktien bewegen fast den halben Kospi
Die Schwankungsbreite dieser Woche zeigt, welche Macht die beiden koreanischen Chipriesen mittlerweile über den heimischen Markt haben. eToro-Analyst Zavier Wong verweist darauf, dass Samsung und SK Hynix zusammen inzwischen etwa die Hälfte der gesamten Kospi-Gewichtung ausmachen. Ende vergangenen Jahres lag dieser Anteil noch bei rund einem Viertel. Eine starke Bewegung bei einem der beiden Namen zieht damit den gesamten Index mit sich, noch bevor die übrigen knapp 900 gelisteten Unternehmen überhaupt mitreden können.
Ausbauprogramm läuft trotz Volatilität weiter
Mitten in diesem Auf und Ab hält SK Hynix an seinen Expansionsplänen fest. CEO Kwak Noh-jung bestätigte Investitionen von 100 Billionen Won, umgerechnet rund 64,37 Milliarden Dollar, in Südkorea. Der Bau der neuen Fabrik M17 in der zentralkoreanischen Region Chungcheong soll 2027 beginnen, der Betrieb ist für die erste Jahreshälfte 2029 geplant.
Von den 100 Billionen Won fließen 80 Billionen in die NAND-Flash-Fabrik M17. Die restlichen 20 Billionen Won sind für die Packaging-Anlage P&T7 vorgesehen.
Trotz der Erholung bleibt die Aktie 18,81 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won, erreicht am 25. Juni. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 9,28 Prozent zu Buche, während sich der Kurs binnen eines Jahres seit dem Tief von 491.500 Won im Oktober 2025 fast verfünffacht hat. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 114 Prozent — ein Wert, der die Nervosität rund um den Titel unterstreicht.
Die Lücke zwischen aktuellem Kurs und den Kurszielen der Broker im Bereich von 4 Millionen Won zeigt, wie weit kurzfristige Marktstimmung und langfristige Gewinnprognosen derzeit auseinanderliegen. In den kommenden Wochen dürfte das geplante Nasdaq-ADR-Debüt von SK Hynix für zusätzliche Bewegung sorgen, während der Markt weiterhin zwischen Speicher-Boom-Narrativ und allgemeiner Tech-Sektor-Nervosität abwägt.
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