Ein Unternehmen meldet den besten Quartalsgewinn seiner Geschichte. Die Aktie bricht trotzdem ein. SK Hynix verlor am Dienstag 14,65 Prozent und fiel auf 1.550.000 Won — mitten in der Vorfreude auf Zahlen, die alles bisher Dagewesene übertreffen sollen.
Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller hat in den vergangenen 30 Tagen rund 41 Prozent seines Wertes verloren. Der RSI von 36 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Trotzdem bleibt SK Hynix seit Jahresbeginn mit einem Plus von fast 139 Prozent im grünen Bereich — die Korrektur der letzten Wochen relativiert eine vorangegangene Rally, die den Kurs bis Ende Juni auf ein Rekordhoch von knapp drei Millionen Won trieb.
Rekordzahlen am Mittwoch erwartet
Analysten rechnen für das zweite Quartal mit einem operativen Gewinn von 64,1 Billionen Won, umgerechnet etwa 43,7 Milliarden Dollar. Das wäre der höchste Quartalsgewinn der Firmengeschichte. Zum Vergleich: Der bisherige Jahresrekord aus 2025 lag bei 47,2 Billionen Won — für ein ganzes Jahr, nicht für drei Monate.
14 lokale Broker gehen laut einer von Yonhap Infomax zusammengestellten Konsensschätzung von 84,1 Billionen Won Umsatz aus. Die operative Marge soll bei 75 bis 77 Prozent liegen, nach 75 Prozent im ersten Quartal. Treiber sind steigende Speicherchip-Preise und die enorme Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory-Chips für KI-Rechenzentren.
Ein Analyst von KB Securities beziffert den Anteil von Tech-Konzernen und KI-Rechenzentrumsbetreibern am Gesamtumsatz auf 70 Prozent. Die Zahlen kommen am Mittwoch, begleitet von einer Investoren- und Presse-Telefonkonferenz.
Warum gute Nachrichten nicht mehr reichen
Trotz der historischen Gewinnaussicht ist die Stimmung gekippt. Die Optionsmärkte preisen nach den Zahlen eine Kursbewegung von rund 4 Prozent ein — deutlich mehr als die durchschnittliche historische Volatilität von etwa 1 Prozent im Jahresverlauf.
Ein Teil des Drucks kommt von der jüngsten Nasdaq-Notierung des Unternehmens. Die American Depositary Receipts von SK Hynix handelten laut MarketWatch zeitweise mit einem Aufschlag von bis zu 51 Prozent gegenüber den koreanischen Stammaktien. Der Grund: Die Korea Securities Depository begrenzte die Schaffung neuer ADRs auf 2,5 Prozent der ausstehenden Aktien. Diese ungewöhnliche Verzerrung veranlasste Stimmen an der Wall Street zur Warnung, der KI-Handel könnte überhitzen.
Samsung hat vorgemacht, wie wenig selbst Spitzenwerte derzeit zählen. Der Konkurrent meldete eine Guidance von 89,4 Billionen Won operativem Gewinn für das zweite Quartal — ein Plus von 1.810 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie fiel trotzdem, weil Anleger eine Verlangsamung der KI-Infrastrukturausgaben fürchten.
Fallen SK Hynix‘ Zahlen wie erwartet aus, kommen beide südkoreanischen Speicherchip-Riesen zusammen auf mehr als 150 Billionen Won operativen Gewinn. Gute Zahlen allein beruhigen die Märkte offenbar nicht mehr.
HBM-Führung bleibt das Kernargument
Die Bullen-These für SK Hynix stützt sich weiter auf die Dominanz bei High-Bandwidth-Memory-Chips für KI-Beschleuniger. Am 7. Juni gaben SK Hynix und Nvidia eine mehrjährige Technologiepartnerschaft für Speicherchips der nächsten Generation bekannt, darunter für die Vera-Rubin-Supercomputer und Vera-CPUs.
Yonhap berichtete im Januar, Nvidia habe rund 70 Prozent seiner HBM4-Nachfrage für die Vera-Rubin-Plattform 2026 an SK Hynix vergeben. Erste Muster sind bereits ausgeliefert.
Allerdings verändert sich gerade die Preislogik im Speichermarkt. Laut TrendForce prägen Long-Term-Supply-Agreements zunehmend die Ertragsaussichten des Unternehmens, weil Preise stärker über Kundenverträge statt über den Spotmarkt festgelegt werden. Mirae Asset Securities senkte nach niedrigeren DRAM- und NAND-Preisprognosen bereits seine Gewinnschätzung, wie Financial Post und TrendForce berichteten.
Was der Bericht klären muss
Mit einem Kurs, der fast 30 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 2.186.761 Won liegt, kommt dem Mittwochsbericht besonderes Gewicht zu. Anleger achten vor allem darauf, was das Management zur Nachhaltigkeit der HBM-Lieferungen und zur langfristigen Tragfähigkeit der aktuellen Investitionszyklen sagt.
Angesichts der erwarteten Gewinnsprünge bei gleichzeitig eingebrochenem Kurs dürfte der Bericht am Mittwoch eine Richtung vorgeben: Entweder bestätigt sich eine gesunde Korrektur eines überhitzten Trades. Oder die Ergebnisse markieren den Anfang einer tieferen Neubewertung der KI-Speicherchip-Bewertungen.
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