Wenige Tage vor dem größten US-Börsengang eines ausländischen Unternehmens gerät SK Hynix ins Wanken. Der Kurs des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers bricht ein, kurz bevor die Zeichnungsfrist für das Nasdaq-Listing endet. Das Volumen des Angebots schrumpft dadurch spürbar.
Am Dienstag fiel die Aktie in Seoul um 6,06 Prozent auf 2.201.000 Won. Binnen einer Woche summiert sich der Verlust auf 16,94 Prozent. Trotzdem steht seit Jahresbeginn noch ein Plus von 225,11 Prozent zu Buche.
Deal-Volumen schrumpft durch Tech-Ausverkauf
Ende Juni kalkulierte SK Hynix mit Erlösen von rund 29 Milliarden Dollar aus dem Zweitlisting. Ein erneuter Ausverkauf bei Technologiewerten hat diese Rechnung durcheinandergebracht. Allein im Juli verlor die Aktie in Seoul 17 Prozent, davon rund 9 Prozent seit dem 3. Juli — jenem Stichtag, den das Unternehmen in seiner jüngsten SEC-Meldung als Referenzkurs angegeben hatte.
Trotzdem bleibt das Volumen enorm. SK Hynix will American Depositary Receipts für etwa 17,79 Millionen Stammaktien platzieren. Auf Basis des Freitagsschlusskurses in Seoul entspricht das einem Volumen von rund 28 Milliarden Dollar.
Die Zahlen wirken auf den ersten Blick widersprüchlich zum Kurssturz der vergangenen Tage. Der Grund: Die Aktie war zuvor um etwa 260 Prozent gestiegen und hatte die Marktkapitalisierung des Unternehmens über die Marke von einer Billion Dollar gehievt. Das aktuelle Rekordhoch von 2.987.000 Won stammt vom 25. Juni — inzwischen liegt der Kurs 26,31 Prozent darunter.
Vermarktung läuft trotz turbulenter Kurse
Am Montag startete SK Hynix offiziell die Vermarktungsphase für das US-Listing. Der Konzern reiht sich damit in eine Welle von Technologiefirmen ein, die frisches Kapital für den Ausbau von KI-Infrastruktur einsammeln wollen. Banken sollen für ihre Rolle beim Deal offenbar 0,5 Prozent des Emissionserlöses erhalten.
Der Handelsstart an der Nasdaq ist für den 10. Juli angesetzt. Bis dahin bleibt die endgültige Preisfindung offen.
Analysten sehen Investitionsthese intakt
Trotz der Schwankungen bewerten Marktbeobachter das fundamentale Bild positiv. „Auch wenn die Marktvolatilität zuletzt recht hoch war, erwarte ich eine relativ robuste Nachfrage nach SK-Hynix-Aktien“, sagt Albert Yong, Managing Partner bei Petra Capital Management.
Dave Mazza, CEO von Roundhill Investments, ordnet das Listing als mehr als reine Kapitalbeschaffung ein. Sein Unternehmen verwaltet einen ETF, der DRAM-Hersteller abbildet. „SK Hynix war eines der wichtigsten Unternehmen der Welt, das die meisten US-Institutionen bislang kaum halten konnten“, so Mazza. Der Börsengang beseitige einen Zugangsabschlag — nicht einen Qualitätsabschlag.
Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers, sieht den praktischen Nutzen eher bei kleineren Anlegern als bei großen Fonds. Das neue Listing mache es „kapitalhungrigen“ Investoren leichter, direkten Zugang zu SK Hynix zu bekommen.
Nervöses Marktumfeld in Südkorea
Die Kursausschläge fallen in eine angespannte Phase für koreanische Aktien insgesamt. Am Montag verlor SK Hynix in Seoul 4 Prozent, der Leitindex KOSPI gab um 2,2 Prozent nach. Grund sind erneute Zweifel am Markt, wie lange der KI-Boom noch anhält.
Für die Investitionsthese bleibt die Rolle von SK Hynix als Schlüssellieferant entscheidend. Der Konzern liefert Hochleistungsspeicherchips (High-Bandwidth Memory) an Kunden wie Nvidia und Google. Analysten erwarten zudem die Aufnahme in den chiplastigen Philadelphia SE Semiconductor Index — ein Schritt, der passive Kapitalzuflüsse auslösen könnte und die Bewertungslücke zum kleineren US-Rivalen Micron schließen soll.
Mit Blick auf den 10. Juli bleibt offen, ob sich die Nachfrage bis zur endgültigen Preisfestsetzung stabilisiert. Die aktuelle 30-Tage-Volatilität von 115,71 Prozent zeigt: Ruhig dürfte es bis zum Handelsstart nicht werden.
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