SK Hynix wagt den größten Kapitalschnitt seiner Firmengeschichte. Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller startet eine globale Aktienplatzierung im Volumen von rund 28 Milliarden Dollar. Das Geld soll die Produktion von KI-Speicherchips massiv ausbauen — zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt für Hochleistungsspeicher praktisch leergefegt ist.
Historischer Aktienverkauf
Am Montag, den 6. Juli, hat SK Hynix die Emission von etwa 17,79 Millionen neuen Aktien gestartet. Die Papiere kommen als American Depositary Receipts unter dem Ticker SKHY an die Nasdaq. Eine Stammaktie entspricht zehn ADRs, der Referenzpreis liegt bei 242.500 Won je ADR.
Das Gesamtvolumen der Transaktion beläuft sich auf rund 43,14 Billionen Won, umgerechnet etwa 28 Milliarden Dollar. Damit zählt die Emission zu den größten Aktienplatzierungen der Unternehmensgeschichte überhaupt. Ursprünglich hatte SK Hynix 29,4 Milliarden Dollar angepeilt, die jüngste Volatilität am koreanischen Markt zwang das Unternehmen aber zu einer leichten Reduzierung.
Das Interesse institutioneller Investoren ist beachtlich. Baillie Gifford, Coatue Management und Situational Awareness Partners — eine Investmentfirma ehemaliger OpenAI-Forscher — wollen Berichten zufolge zusammen bis zu 7 Milliarden Dollar des Angebots übernehmen.
Wohin das Geld fließt
SK Hynix plant mit dem frischen Kapital eine mehrjährige Investitionsoffensive. Im Zentrum steht der Ausbau der Marktposition bei KI-optimiertem Speicher. Die wichtigsten Projekte:
- Yongin Semiconductor Cluster: ein riesiger Fertigungskomplex in Südkorea mit erheblichem langfristigem Kapitalbedarf
- Cheongju P&T7: Erweiterung der Verpackungs- und Testkapazitäten für steigende HBM-Volumina
- Indiana Packaging Facility: eine 4-Milliarden-Dollar-Investition in den USA für fortschrittliche Chip-Verpackungstechnik
- EUV-Lithografie: rund 7,8 Milliarden Dollar (11,9 Billionen Won) für neue EUV-Anlagen von ASML, Lieferung ab Dezember 2027
Aktuell hält SK Hynix einen Marktanteil von 57 Prozent im globalen HBM-Segment. Diese Speicherchips sind die Schlüsselkomponente für KI-Beschleuniger, wie sie Nvidia und Microsoft einsetzen.
Kurs unter Druck, Bewertung bleibt günstig
Der Markt reagierte nervös auf die Verwässerungseffekte der Emission. Am Montag schloss die Aktie bei 2.343.000 Won, ein Minus von 3,4 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht sogar ein Rückgang von fast 17 Prozent zu Buche.
Die Korrektur relativiert sich allerdings im größeren Bild. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 225 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Hoch bei knapp 3 Millionen Won, erreicht Ende Juni, ist der Titel gut 26 Prozent entfernt — verglichen mit dem 52-Wochen-Tief von rund 491.500 Won bedeutet das aber immer noch eine Vervierfachung des Kurses.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 46 und signalisiert eine neutrale Marktlage nach der jüngsten Korrektur. Bemerkenswert: Trotz der Kapitalerhöhung notiert SK Hynix mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,6 bis 7,4 weiterhin günstiger als Wettbewerber Micron.
Samsung als nächster Testfall
Die Emission fällt in eine entscheidende Phase für die gesamte Chipbranche. Morgan Stanley warnte zuletzt vor nachlassender Dynamik im Sektor. Andere Beobachter sehen im aktuellen Speicherengpass — mancherorts bereits „RAMageddon“ genannt — den Beweis, dass der Superzyklus intakt bleibt.
Am Dienstag legt Samsung Electronics vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Konsens erwartet einen operativen Gewinn von rund 86 Billionen Won. Diese Zahlen dürften als wichtiger Stimmungstest gelten — nicht nur für den koreanischen Halbleitersektor insgesamt, sondern auch für das Nasdaq-Debüt von SK Hynix, das für den 10. Juli angesetzt ist.
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