Ein Kurssturz von über acht Prozent an einem einzigen Tag lässt aufhorchen. Bei SK Hynix reicht dieser Rückgang aber nicht einmal, um die Talfahrt der letzten Wochen zu erklären. Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller steckt mitten in einer globalen Korrektur der KI-Branche – und die entscheidende Frage lautet, ob die kommenden Quartalszahlen die Wende bringen.

Am Freitag schloss die Aktie bei 1.759.000 Won. Das entspricht einem Tagesminus von 8,34 Prozent. Über die letzten 30 Tage hat das Papier fast ein Drittel seines Werts verloren. Zum 52-Wochen-Hoch von Ende Juni klafft mittlerweile eine Lücke von über 41 Prozent.

Zweifel an den KI-Milliarden treffen den Chip-Sektor

Der Ausverkauf bei SK Hynix ist kein isoliertes Ereignis. Auslöser waren Quartalsberichte großer US-Technologiekonzerne, die neue Zweifel an den gigantischen Investitionssummen für KI-Infrastruktur weckten. Anleger fragen sich zunehmend, wann sich diese milliardenschweren Ausgaben tatsächlich auszahlen. Die Folge: eine breite Gewinnmitnahme entlang der gesamten Halbleiter-Lieferkette.

SK Hynix trifft das besonders hart. Als wichtigster Zulieferer von High-Bandwidth-Memory-Chips für Nvidia hängt der Kurs eng am KI-Wachstumsnarrativ. Am Marktanteil selbst hat sich wenig geändert – im HBM-Segment kommt das Unternehmen für Anfang 2026 weiterhin auf schätzungsweise 56 bis 58 Prozent. Trotzdem zieht sich Kapital aus dem, was Marktbeobachter als „überfüllten“ Tech-Trade bezeichnen, zurück. Berichte über eine Normalisierung der Nachfrage nach NAND-Flash-Speicher verstärken den Gegenwind zusätzlich.

Charttechnik zeigt Erholungspotenzial

Die technischen Indikatoren zeichnen ein gemischtes Bild. Der Kurs liegt inzwischen fast 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt – ein deutliches Zeichen für den Bruch des kurzfristigen Aufwärtstrends. Der RSI von 40,1 nähert sich einer überverkauften Zone, hat den klassischen Umkehrpunkt aber noch nicht erreicht.

Zur Einordnung: Trotz der massiven Korrektur steht SK Hynix seit Jahresbeginn immer noch mit 170,74 Prozent im Plus. Die aktuelle Schwäche relativiert sich vor diesem Hintergrund – bleibt aber real genug, um Anleger nervös zu machen.

Quartalszahlen am 29. Juli als nächster Prüfstein

Am Mittwoch, dem 29. Juli 2026, veröffentlicht SK Hynix seine Zahlen für das zweite Quartal. Analysten rechnen mit Rekordumsatz und Rekordgewinn, getragen vom anhaltenden Superzyklus bei KI-Speicherchips. Die Konsensschätzungen deuten auf ein Umsatzwachstum von über 250 Prozent im Jahresvergleich hin – angetrieben von kräftigen Preiserhöhungen im DRAM-Markt.

Die reinen Kopfzahlen dürften diesmal aber nicht ausreichen. Entscheidend wird der Ausblick des Managements zu den Produktionsausbeuten bei HBM4 und zur Nachfragestabilität bei Großkunden wie Alphabet, Microsoft und Amazon. Bestätigte Langzeitverträge oder direkte Investitionen dieser Tech-Konzerne in die Produktionslinien von SK Hynix könnten den Kurs stabilisieren.

Signalisiert das Management dagegen eine Abkühlung beim HBM-Wachstum, dürfte sich die Korrektur bis ins dritte Quartal hinein fortsetzen. Der 29. Juli wird damit zur ersten echten Nagelprobe für die Frage, ob der KI-Speicher-Boom bei SK Hynix intakt bleibt.