SK Hynix ist längst mehr als eine HBM-Story. Während Anleger die Aktie vor allem wegen Hochbandbreitenspeicher für KI-Server im Blick haben, rückt nun ein zweites Technologiefeld in den Vordergrund: NAND-Flash mit rekordverdächtiger Schichtdichte.

375 Lagen bis Jahresende

SK Hynix hat die Validierung eines 375-Lagen-NAND-Chips abgeschlossen und plant den Übergang zur Massenproduktion bis Ende 2026. Das berichtete der Marktforscher TrendForce am 11. Juni. Die Roadmap sieht danach weitere Schritte auf 480 und schließlich 604 Lagen vor.

Bemerkenswert ist dabei eine technische Korrektur: Ursprünglich galt das Produkt als 400-Lagen-Klasse. SK Hynix hat die Zahl auf 375 reduziert, weil die Fertigungskomplexität bei höheren Stapelzahlen stark zunimmt. Hinzu kommt ein Materialwechsel: Teile der Wortleitungsstruktur wechseln von Wolfram zu Molybdän. Das soll Widerstand und Signalübertragung bei dichteren Strukturen verbessern.

Für Anleger bedeutet das: Gelingt die Massenproduktion im Zeitplan, stärkt SK Hynix seine Position im Markt für hochdichte Speicher. KI-Server, Rechenzentren und Enterprise-SSDs treiben die Nachfrage — und damit die Investitionsbudgets der Halbleiterbranche.

DRAM-Preise stützen das Bild

Die NAND-Meldung trifft auf ein freundliches Marktumfeld. Morgan Stanley bezeichnete den jüngsten Rücksetzer bei Speicheraktien als „gesunden Reset“ — kein Zyklus-Wendepunkt, sondern eine normale Konsolidierung. Die Bank erwartet DRAM-Preiserhöhungen von mehr als 20 bis 30 Prozent im dritten Quartal 2026.

Morgan Stanley schätzt außerdem, dass Langzeitverträge in den nächsten drei bis fünf Jahren mehr als 70 Prozent des Gesamtangebots ausmachen könnten. Für SK Hynix wäre das ein Stabilitätsfaktor: Mehr Volumen unter Vertrag bedeutet weniger Abhängigkeit von kurzfristigen Spotpreisen.

Der koreanische Aktienmarkt spiegelte die positive Stimmung am Donnerstag wider. Der KOSPI stieg um 0,43 Prozent auf 7.763,95 Punkte. SK Hynix legte 2,59 Prozent zu. Südkoreas Exporte stiegen in den ersten zehn Junitage um 85,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr — getragen von starken Chipverkäufen.

Momentum hoch, Messlatte auch

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 2.101.000 KRW. Das entspricht einem Plus von rund 239 Prozent seit Jahresbeginn. Der Kurs liegt dabei fast 46 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Kein Wunder, dass die Latte für Ausführung und Lieferung hoch liegt. Der 14-Tage-RSI von 62,4 signalisiert noch keine überkaufte Situation. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 104 Prozent zeigt aber, wie schnell die Aktie reagiert, wenn Anleger KI-Nachfrage oder DRAM-Preiserwartungen neu bewerten.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Produktionsstart des 375-Lagen-NAND im zweiten Halbjahr 2026. Läuft der Hochlauf planmäßig, liefert SK Hynix den Beweis, dass das Unternehmen im NAND-Wettbewerb mit Samsung und Micron Schritt hält — und die Bewertung nach dem steilen Kursanstieg verdient hat.