Die Aktien von SK Hynix haben am 23. Juli 2026 einen der stärksten Handelstage der letzten Wochen erlebt. An der Börse in Seoul kletterte das Papier um 4,86 Prozent auf 1.919.000 Won, nachdem Alphabet seine Investitionspläne für das laufende Jahr deutlich nach oben korrigiert hatte. Der Leitindex Kospi sprang parallel um 4,40 Prozent auf 7.096,89 Punkte und übersprang damit erstmals seit sechs Handelstagen wieder die Marke von 7.000 Zählern. Ausländische Investoren kauften koreanische Aktien netto im Volumen von rund 2,15 Billionen Won, den höchsten Wert seit Anfang Mai.

Alphabets Kurswechsel treibt die Speicherbranche

Auslöser der Rally war die Quartalsbilanz von Alphabet. Der Google-Mutterkonzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 119,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als der von Analysten erwartete Konsens von 116,9 Milliarden Dollar. Die Cloud-Sparte wuchs sogar um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hob Alphabet die Investitionsprognose für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar auf 195 bis 205 Milliarden Dollar an. Der Finanzchef kündigte an, das Investitionsbudget werde 2027 noch einmal deutlich steigen. Nach Handelsschluss fiel die Alphabet-Aktie dennoch um mehrere Prozent, weil der freie Cashflow erstmals seit dem Börsengang 2004 negativ ausfiel.

Für Speicherchip-Hersteller wie SK Hynix wertete der Markt die Nachricht als Signal, dass die Nachfrage nach Rechenkapazität für künstliche Intelligenz ungebrochen bleibt. Die Analysten von KB Securities sehen vor allem Samsung als Profiteur des Google-Ökosystems, da der Konzern rund die Hälfte des Server-Speichers für Google liefere. SK Hynix selbst bleibt nach eigenen Marktdaten mit einem Anteil von 56,4 Prozent am Markt für High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) der weltweit führende Anbieter dieser für KI-Beschleuniger zentralen Speicherbausteine.

Starke Zahlen, neue Kapazitäten in Cheongju

Die operative Entwicklung von SK Hynix untermauert die Kursreaktion. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 52,6 Billionen Won, ein Anstieg von 198 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer Bruttomarge von 79,3 Prozent. Für das kommende Quartal, das am 29. Juli veröffentlicht werden soll, rechnen Marktbeobachter mit einem operativen Gewinn zwischen 60 und 65 Billionen Won. Bernstein schätzt den HBM-Umsatz von SK Hynix im zweiten Quartal auf 7,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Um die Nachfrage zu bedienen, hat der Vorstand eine zusätzliche Investition von 7,0931 Billionen Won, umgerechnet rund 4,83 Milliarden Dollar, für die Erweiterung der Advanced-Packaging-Anlage P&T7 in Cheongju genehmigt. Die Summe entspricht etwa 5,9 Prozent des Eigenkapitals des Unternehmens und soll die Eröffnung des Reinraums beschleunigen. Parallel dazu läuft seit dem 17. Juni das Sampling des Nachfolgechips HBM4E, dessen Massenproduktion für das dritte Quartal 2026 vorgesehen ist.

Auch am US-Kapitalmarkt ist SK Hynix inzwischen präsent: Seit dem Börsengang am 10. Juli 2026 notieren American Depositary Receipts zu einem Ausgabepreis von 149 US-Dollar, mit dem das Unternehmen rund 26,5 Milliarden Dollar einsammelte. Die US-notierten Papiere legten am 23. Juli vorbörslich um 6,6 Prozent zu und lagen im regulären Handel bei 170,40 Dollar, was einer Marktkapitalisierung von 1,21 Billionen Dollar entspricht. Der Analystenkonsens sieht ein Kursziel von 330 US-Dollar.

Volatilität bleibt hoch

Trotz der Erholung notiert die Aktie in Seoul weiterhin 35,75 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das die Papiere im Juni erreicht hatten – ein Hinweis darauf, wie stark die Kurskorrektur der vergangenen Wochen ausgefallen war. Erst wenige Tage zuvor hatte SK Hynix binnen einer Woche zweistellig verloren, ausgelöst durch Sorgen vor einem Nachfrageeinbruch bei Speicherchips.

Diese Sorgen sind nicht vollständig ausgeräumt. Der JPMorgan-Stratege Jason Hunter warnte, die kommenden Wochen seien entscheidend dafür, ob sich der KI-Aktienmarkt ähnlich entwickle wie beim Split zwischen Technologiewerten und Chipherstellern Ende der 1990er-Jahre. Der Chip-Index SOX habe sich seit Anfang Juli bereits um 20 Prozent korrigiert. Zusätzlich hatte SK Hynix Berichte über eine mögliche Übernahme von Intels Werk in Ohio dementiert. Für die kommenden Handelstage dürfte vor allem der Ausblick zu den Quartalszahlen am 29. Juli über die weitere Kursrichtung entscheiden.