Ein Lieferabkommen mit Nvidia im Volumen von 500 Milliarden Dollar. Trotzdem verliert die Aktie am Freitag 3,88 Prozent. SK Hynix zeigt gerade, wie wenig selbst historische Deals gegen die Nervosität der südkoreanischen Börse ausrichten können.
Der Kurs schloss bei 1.759.000 Won. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,51 Prozent, binnen 30 Tagen sogar 31,82 Prozent. Vom Rekordhoch bei 2.987.000 Won am 25. Juni trennen die Aktie mittlerweile 41,11 Prozent.
Nvidia sichert sich Speicherchips
Nvidia hat sich am Freitagabend in San Francisco eine langfristige Belieferung mit KI-Speicherchips von SK Hynix gesichert. Der Deal könnte über mehrere Jahre 500 Milliarden Dollar wert sein. Eingeschlossen ist der Bau großer Rechenzentren, die 2027 ans Netz gehen sollen.
SK Telecom, eine SK-Hynix-Tochter, baut darauf ein eigenes Cloud-Geschäft mit Nvidias Vera-Rubin-Systemen auf. Nvidia peilt eine Kapazität an, die zwei Gigawatt Strom benötigt. Nvidia-Vizepräsident Raj Mirpuri sprach zudem von einer gemeinsamen Entwicklung der nächsten SK-Hynix-Speichergeneration. Ziel ist eine stabile Versorgung mit HBM-Speicherchips, jenem Hochleistungsspeicher, den die gesamte KI-Branche derzeit knapp hat.
Der Deal reicht über SK Hynix hinaus. Samsung Electronics und SK Hynix wollen laut südkoreanischen Regierungsvertretern gemeinsam eine Speicherchip-Partnerschaft mit US-Technologiekonzernen aufbauen, Nvidia eingeschlossen. Das Gesamtvolumen: 950 Milliarden Dollar. Verkündet wurde die Nachricht auf einem KI-Gipfel in San Francisco, an dem auch Südkoreas Präsident Lee Jae Myung teilnahm.
Warum der Kurs trotzdem fällt
Der Milliarden-Deal konnte den Ausverkauf nicht stoppen. SK-Hynix-Hinterlegungsscheine gaben am Freitag nach, nachdem ein Verkaufsdruck bei Speicherchip-Werten aus Südkorea die gesamte Chipbranche mit nach unten zog. Auslöser war ein nächtlicher Kurseinbruch am KOSPI, angeführt von Samsung und SK Hynix.
Ausgangspunkt der ganzen Bewegung war eine einzelne Analystennotiz aus Seoul. Sie hatte wenige Tage zuvor den größten Tagesverlust in der Geschichte von SK Hynix ausgelöst und den gesamten Sektor erschüttert.
Südkorea reagiert nun regulatorisch. Die Finanzaufsicht verschärft die Regeln für gehebelte Einzelaktien-ETFs, um spekulativen Handel von Privatanlegern einzudämmen. Wer künftig solche Produkte handeln will, muss mindestens 30 Millionen Won in bar hinterlegen – vorher lag die faktische Untergrenze bei 3 Millionen Won. Die Verluste zeigen, wie stark Südkoreas Privatanlegerkultur die Kursschwankungen bei den heimischen Technologieschwergewichten verstärkt. Jung In Yun, Gründer von Fibonacci Asset Management, hält die langfristigen Aussichten für Speicherchip-Hersteller dennoch für intakt.
Quartalszahlen am Dienstag
SK Hynix meldet am 29. Juli seine Quartalszahlen. Ein Teil des aktuellen Kursdrucks in Südkorea dürfte auf Positionierungen im Vorfeld dieses Termins zurückgehen. Der Bericht kommt nur wenige Tage nach dem Nvidia-Abkommen. Investoren erhalten damit schnell Gelegenheit zu prüfen, wie sich die neuen Lieferzusagen und die generelle HBM-Nachfrage auf den kurzfristigen Ausblick auswirken.
Charttechnisch zeigt der jüngste Einbruch noch keine Entwarnung. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 40,1 – die Aktie ist damit weder überverkauft noch überkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 118,27 Prozent macht deutlich, wie turbulent der Handel seit dem jüngsten Höhenflug geworden ist.
Der Umfang des Nvidia-Deals unterstreicht, wie zentral SK Hynix für den KI-Speicherausbau geworden ist. Die Kursreaktion zeigt aber auch: Nach dem historischen Anstieg der vergangenen Monate richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf die Bewertung. Am Dienstag wird sich zeigen, ob das Management die aktuelle Schwäche als reine Gewinnmitnahme einordnen kann – oder ob sich am HBM-Zyklus selbst etwas verschiebt.
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