Südkorea hat am heutigen Samstag ein Partnerschaftspaket im Volumen von 950 Milliarden US-Dollar zwischen heimischen Technologiekonzernen und US-Techgiganten verkündet. Präsidentenberater Kim Yong-beom gab die Details bekannt, wie Reuters berichtet. Für SK Hynix bedeutet das eine langfristige Lieferzusage von bis zu 750 Milliarden US-Dollar an Nvidia, Microsoft und weitere Partner – ausgerechnet einen Tag, nachdem die Aktie an der Börse in Seoul kräftig eingebrochen war.

Kursrutsch vor der Nachricht

Am Freitag schloss das Papier bei 1.759.000 Won und verlor auf Tagessicht 8,34 Prozent. Der Rücksetzer reiht sich in eine breitere Korrektur der vergangenen Wochen ein: Über 30 Tage steht ein Minus von 31,82 Prozent zu Buche. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch aus dem Juni fehlen inzwischen 41,11 Prozent. Der südkoreanische Leitindex Kospi gab am selben Handelstag laut Berichten mehr als vier Prozent nach, Samsung Electronics verlor parallel rund 6,5 Prozent. Präsident Lee Jae-myung nutzte den Rahmen der Ankündigungen in San Francisco zugleich für eine Erklärung, die Südkorea als zentralen Knotenpunkt der globalen KI-Lieferkette positionieren soll.

Das Deal-Paket im Detail

Kern des Pakets ist eine Vereinbarung zwischen der SK Group und Nvidia über mehr als 500 Milliarden US-Dollar, die sich über mehrere Jahre erstreckt. SK Hynix verpflichtet sich darin zu langfristigen Lieferungen von KI-Speicher, auch an Microsoft. Parallel soll SK Telecom mit Nvidias Vera-Rubin-Plattform und HBM4-Speicher von SK Hynix eine KI-Fabrik mit bis zu zwei Gigawatt Leistung errichten, erste Anlagen sollen ab 2027 in Betrieb gehen. Zusätzlich unterzeichnete Samsung Electronics ein Memorandum mit Broadcom über 200 Milliarden US-Dollar für Speicher- und Foundry-Kapazitäten. Anthropic wiederum vereinbarte mit SK Telecom ein Datenzentrum im Gigawatt-Maßstab, während Nvidia zusätzlich eine Investition in den koreanischen Internetkonzern Naver ankündigte. Das Gesamtvolumen aller verkündeten Vorhaben summiert sich damit auf die genannten 950 Milliarden US-Dollar.

Analysten sehen Übertreibung im Ausverkauf

Citi Research bekräftigte am Freitag seine Kaufempfehlung für SK Hynix und Samsung. Die Analysten verweisen darauf, dass das Verhältnis von Speicherangebot zu -nachfrage von rund 70 auf etwa 50 Prozent gefallen sei – ein Hinweis auf historisch knappe Lagerbestände statt auf ein Nachfrageende. Nach Einschätzung von Citi sind Sorgen vor einem Zyklushoch, schwacher China-Nachfrage und vollen Lagern damit widerlegt; die KI-Nachfrage nach NAND-Speicher werde sich in den kommenden Jahren vervielfachen. KB Securities hält unterdessen an seinem Kursziel von 4,2 Millionen Won für SK Hynix fest, ein Wert, der deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegt. Beide Häuser stützen sich auf steigende DRAM-Spotpreise, die zuletzt über vierzig Handelstage in Folge zugelegt hatten.

Nicht alle Stimmen sind so optimistisch. Kritiker verweisen auf eine mögliche Kapazitätsausweitung bei Samsungs HBM-Sparte und auf das Risiko eines Überangebots am NAND-Markt ab dem dritten Quartal 2027, sollten die branchenweiten Investitionen zu schnell wachsen. Ein Analyst stufte die Aktie zuletzt lediglich mit einer Halten-Empfehlung ein und verwies auf Bewertungsrisiken nach dem steilen Kursanstieg der vergangenen Monate.

Q2-Zahlen als nächste Wegmarke

Trotz der jüngsten Verluste bleibt SK Hynix seit Jahresbeginn mit einem Plus von 170,74 Prozent einer der stärksten Werte des südkoreanischen Marktes. Die Volatilität der vergangenen Wochen zeigt jedoch, wie nervös Anleger auf jede neue Schlagzeile aus dem Speicherchip-Sektor reagieren. Am kommenden Mittwoch, dem 29. Juli, legt SK Hynix seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Im Mittelpunkt dürften Lieferumfang und Preisgestaltung der HBM4-Generation stehen, die als Kernprodukt für die milliardenschweren Nvidia-Verträge gilt. Für Anleger wird sich dann zeigen, ob die operative Entwicklung die Erwartungen stützt, die hinter den milliardenschweren Partnerschaftszusagen stecken.