Während die eigene Aktie am Donnerstag zweistellig einbricht, verkündet SK Hynix die größte Investition der Firmengeschichte. Ein Widerspruch, der die aktuelle Stimmung am Speicherchip-Markt auf den Punkt bringt: Sorge um kurzfristige Nachfrage, Zuversicht für die nächsten Jahre.
Der Kospi geriet am Morgen so stark unter Druck, dass ein Sell-Side-Sidecar den Handel für fünf Minuten aussetzte — der Index war zeitweise um mehr als sechs Prozent eingebrochen, bevor sich der Verlust auf rund fünf Prozent einpendelte. SK Hynix und Samsung Electronics zogen den Markt dabei nach unten, mit Kursverlusten von jeweils rund sieben bis neun Prozent im Tagesverlauf.
Warum der Ausverkauf
Drei Meldungen trafen den Sektor fast zeitgleich. Ein Bericht legte nahe, dass OpenAI Software-Optimierungen entwickelt hat, die den Rechenbedarf für KI-Modelle halbieren könnten — weniger benötigte Prozessoren wären die Folge. Parallel dazu wurde bekannt, dass Meta Platforms überschüssige Cloud-Rechenkapazität an Dritte verkaufen will, was ebenfalls als Signal für mögliche Überkapazitäten im KI-Ausbau gelesen wurde. Hinzu kamen Berichte, wonach Apple mit chinesischen Speicherchip-Anbietern über neue Lieferverträge verhandelt — ein direkter Angriff auf die Marktstellung koreanischer Zulieferer.
Die Kombination reichte, um Anleger nach einem starken ersten Halbjahr Kasse machen zu lassen. Der Kospi steht trotz der aktuellen Verluste noch immer mit einem deutlichen zweistelligen Plus für das laufende Jahr da.
Milliardeninvestition trotz Turbulenzen
Noch am selben Tag trat SK-Hynix-Chef Kwak Noh-jung vor Publikum, darunter Südkoreas Präsident Lee Jae Myung, und kündigte Investitionen von 100 Billionen Won an, umgerechnet rund 64,4 Milliarden Dollar. Der Löwenanteil von 80 Billionen Won fließt in eine neue NAND-Flash-Fabrik in Cheongju, bekannt als M17, die bis 2029 fertiggestellt werden soll. Weitere 20 Billionen Won sind für eine Chip-Verpackungsanlage vorgesehen, die bis Ende 2027 entstehen soll.
Beide Projekte sind Teil eines gemeinsam mit Samsung Electronics angekündigten Investitionsprogramms über 2,1 Billiarden Won, mit dem Südkorea seine Speicherchip-Produktionskapazität innerhalb von fünf Jahren verdoppeln will. Kwak betonte, das Unternehmen bleibe trotz der jüngsten Kursschwankungen zuversichtlich für die langfristige NAND-Nachfrage — das Angebot bleibe knapp, während die Nachfrage weiter wachse.
Der Baubeginn für die M17-Fabrik ist für das kommende Jahr geplant. Ob die Investitionsankündigung reicht, um die kurzfristigen Nachfragesorgen der Anleger zu zerstreuen, zeigt sich frühestens am US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag — ein unerwartet starker Wert könnte die Zinsdebatte neu befeuern und damit erneut Druck auf Wachstumswerte wie SK Hynix ausüben.
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