Der Speicherchiphersteller sammelte bei seinem Nasdaq-Debüt rund 28 Milliarden Dollar ein, während die heimische Notierung in Seoul binnen weniger Handelstage massiv einbrach. Zwischen Rekordzeichnung, Kurssturz und einer Klarstellung zur Umwandlung der US-Hinterlegungsscheine zeichnet sich ein Bild ab: Der Markt sucht nach dem fairen Preis für den weltgrößten HBM-Anbieter.

Umwandlungsgrenze von 2,5 statt 25 Prozent

Die American Depositary Receipts von SK Hynix notierten nach dem Nasdaq-Start am 10. Juli bei 168,01 Dollar, ein Plus von 12,76 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Zeitweise weitete sich der Aufschlag gegenüber den in Seoul gehandelten Stammaktien laut Berichten der Asia Business Daily auf 51 Prozent aus. Am 17. Juli schloss die ADR bei 154,03 Dollar, was laut Seoul Economic Daily noch einem Aufschlag von 24,6 Prozent gegenüber der koreanischen Aktie bei 1,842 Millionen Won entsprach.

Spekulationen, wonach sich diese Prämie durch eine großzügige Umwandlung von Stamm- in Hinterlegungsscheine schnell abbauen ließe, wies Seoul Economic Daily zurück. Zwar hat SK Hynix in seiner SEC-Registrierung eine Verwahrgrenze von 25 Prozent beziehungsweise 1,779 Milliarden Aktien hinterlegt. Ohne ein zusätzliches Angebot lassen sich davon aber nur 2,5 Prozent beziehungsweise 177,9 Millionen Aktien tatsächlich umwandeln. Der Rest ist als technische Reserve für Rückumwandlungen gedacht. Als Vergleich dient TSMC: Der taiwanische Auftragsfertiger steigerte seinen ADR-Anteil erst über Jahre und mehrere Genehmigungen von Vorstand, Finanzaufsicht und SEC von 2,9 Prozent im Jahr 1997 auf inzwischen 20,5 Prozent. Kim Jae-seung von Hyundai Motor Securities sieht im TSMC-Beispiel dennoch einen positiven Präzedenzfall: Eine ADR-Prämie von mehr als 20 Prozent habe dort ausländische Anleger zu Nettokäufen der heimischen Aktie bewegt. Der Nasdaq-Handel sei damit eher eine Chance zur Preisfindung als ein strukturelles Abflussrisiko.

Kursrutsch und Rekordkäufe der Kleinanleger

Während die ADR-Debatte lief, geriet der koreanische Gesamtmarkt ins Wanken. Am 16. Juli brach der KOSPI im Tagesverlauf um 7,6 Prozent ein und schloss 6,37 Prozent tiefer bei 6.820,60 Punkten. SK Hynix verlor an diesem Tag 11,53 Prozent auf 1,84 Millionen Won, Samsung Electronics 8,77 Prozent auf 255.000 Won. Die Bank of Korea reagierte am selben Tag mit der ersten Zinserhöhung seit dreieinhalb Jahren auf 2,75 Prozent. In der Spanne vom 22. Juni bis zum 16. Juli verlor SK Hynix nach mehreren Berichten rund 36,9 Prozent an Wert.

Koreanische Privatanleger nutzten den Ausverkauf zum Einstieg. Allein am 16. Juli kauften sie SK-Hynix-Aktien im Volumen von 1,98 Billionen Won netto zu, bei Samsung waren es 1,33 Billionen Won. Über den gesamten Korrekturzeitraum seit dem 22. Juni summierten sich die Nettokäufe von Privatanlegern in SK Hynix laut Marktdaten auf 23,34 Billionen Won, der größte Einzelposten innerhalb von Zuflüssen in Höhe von 35,8 Billionen Won in koreanische Halbleiterwerte insgesamt. Die Einlagen der Anleger bei Wertpapierhäusern gingen im selben Zeitraum um fast ein Fünftel auf 109,867 Billionen Won zurück, ein Zeichen dafür, dass ein Teil der Käufe aus liquiden Reserven finanziert wurde. Barclays nahm die Coverage der SK-Hynix-ADR mit dem Rating „Overweight“ und einem Kursziel von 330 Dollar auf.

Chey Tae-won warnt vor „Chipflation“

Hinter der Marktturbulenz steht eine grundsätzlichere Debatte über die Speicherpreise. SK-Group-Chairman Chey Tae-won warnte beim Jeju Forum Mitte Juli vor einer „Chipflation“: Kunden hätten für 2027 bereits 60 bis 100 Prozent mehr KI-Speicher angefragt, während das Angebot kaum wachse. Der HBM-Marktanteil von SK Hynix lag im ersten Quartal 2026 bei 58 Prozent. Chey bezifferte den erwarteten operativen Gewinn für das laufende Jahr auf rund 270 Billionen Won, für das kommende Jahr auf etwa 400 Billionen Won, und warb für einen beschleunigten Kapazitätsausbau, selbst wenn dies kurzfristig die Margen belaste. Das Yongin-Cluster soll nun bereits im Februar 2027 mit einem zusätzlichen Investment von 21,6 Billionen Won den ersten Reinraum in Betrieb nehmen, eingebettet in ein Gesamtinvestment der SK Group von 400 Billionen Won für einen neuen Halbleiterstandort in Südwestkorea.

Auf einer Veranstaltung der Korea Chamber of Commerce and Industry rief Chey Anleger anschließend zum langfristigen Halten der Aktie auf und prognostizierte, die KI-Speichernachfrage werde bis 2030 um das Zwanzigfache wachsen. Zugleich steht das Bonusmodell des Konzerns in der Diskussion: Zehn Prozent des operativen Gewinns fließen an die Belegschaft, in diesem Jahr entsprach das einer Auszahlung von 2.964 Prozent des Grundgehalts. Chey signalisierte, das Modell überprüfen zu wollen, sollte es zulasten der Aktionäre gehen.