Starke Nachrichten, fallender Kurs — bei SK Hynix klaffen Realität und Marktstimmung am Dienstag auseinander. Während der Chipkonzern auf der Computex in Taipeh eine Verdopplung der Produktionskapazität verspricht und die südkoreanische Regierung parallel bürokratische Hürden für die Chipfertigung senkt, verliert die Aktie im frühen Handel über vier Prozent. Auslöser: ein Brand im Werk Cheongju am Vortag, der die Produktion laut Unternehmensangaben nicht beeinträchtigt.
Doch die fundamentale Gemengelage ist so bullisch wie selten zuvor.
Chairman verspricht Verdopplung
SK Group Chairman Chey Tae-won gab auf der Computex ein klares Bekenntnis ab: „Wir werden unsere Kapazität in den nächsten fünf Jahren verdoppeln.“ Er rechnet mit einer anhaltenden Speicherknappheit bis 2030. SK Hynix wolle der primäre HBM-Lieferant für Nvidias nächste KI-Plattform Vera Rubin werden.
Das ist ambitioniert. Chey selbst räumt ein: „Eine neue Fabrik braucht mindestens drei Jahre, ab einer Grünfläche mehr als fünf. Wir müssen den Engpass überwinden — aber auf einer Zeitskala von Jahrzehnten.“
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SK Hynix hält im ersten Quartal 58 Prozent des globalen HBM-Marktes, Samsung und Micron folgen mit je 21 Prozent, so Counterpoint Research.
Seoul beschleunigt EUV-Genehmigungen
Parallel dazu greift die Politik ein. Das südkoreanische Handelsministerium verkürzt die Genehmigungsverfahren für EUV-Lithografieanlagen von 34 auf bis zu neun Tage. Die neue Regelung stuft Anlagen, die globale Sicherheitsstandards erfüllen, als „spezifizierte Ausrüstung“ ein — nicht mehr als Hochdruck-Gasproduktionsanlagen. Die Kosten pro Inspektion sinken um umgerechnet rund 340.000 Euro.
Ein klarer Standortvorteil. SK Hynix kann EUV-Maschinen schneller in Betrieb nehmen — und damit Kapazitäten früher hochfahren.
Top-Fonds steigt ein
Richard Clode, Co-Manager des Janus Henderson Global Technology Leaders Fund, will SK Hynix ins Portfolio nehmen. Seine Begründung: Die Dominanz im HBM-Markt beschere dem Unternehmen „überdurchschnittliches Gewinnwachstum“, sobald mehrjährige Lieferverträge neu verhandelt werden. Die Preise könnten dann auf einem erhöhten Niveau festgezurrt werden.
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Goldman Sachs zog am 1. Juni nach. Das Kursziel für SK Hynix steigt auf 3,5 Millionen Won, das Votum bleibt „Buy“. Die Bank erwartet eine anhaltende Angebotsverknappung bis 2028 und hob ihre Gewinnprognose für 2028 um 24 Prozent an. Die DRAM-, NAND- und HBM-Märkte befänden sich in einer strukturell längeren Boomphase.
Warum der Kurs dennoch fällt
Der Kurseinbruch am Morgen folgt einem externen Schock: dem Brand auf dem Cheongju-Campus. Dass die Produktion nicht betroffen ist, spielte im frühen Handel keine Rolle. Der KOSPI fiel zeitweise um mehr als zwei Prozent — SK Hynix war einer der größten Verlierer.
Dabei notiert die Aktie mit rund 2,36 Millionen Won nur knapp unter ihrem Allzeithoch vom Vortag. Innerhalb eines Monats legte der Titel 63 Prozent zu, seit Jahresbeginn 248 Prozent. Der RSI von 68,9 signalisiert noch keine Überhitzung.
Der strukturelle Fall ist intakt. SK Hynix hat DRAM, NAND und HBM nach eigenen Angaben restlos ausverkauft. Microsoft, Google und Amazon erwägen offenbar, sich mit Investitionszusagen Kapazitäten für die kommenden Jahre zu sichern.
Die Botschaft des 2. Juni ist eindeutig: SK Hynix rüstet auf allen Ebenen auf — politisch, industriell, finanziell. Ob die Märkte diese Perspektive gegen die nächste Brandmeldung verteidigen, wird sich nicht heute entscheiden. Aber die Richtung ist klar.
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