Die American Depositary Receipts des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers legten am 10. Juli 2026 bei ihrem Debüt an der Nasdaq um rund 13 Prozent zu und schlossen bei 168,01 US-Dollar, nachdem der Ausgabepreis bei 149 Dollar gelegen hatte. Intraday markierte das Papier sogar ein Hoch von 177 Dollar. Mit einem Erlös von 26,5 Milliarden Dollar aus 177,9 Millionen ADRs verbuchte SK Hynix damit das größte US-Listing eines ausländischen Unternehmens überhaupt und übertraf den bisherigen Rekordhalter Alibaba aus dem Jahr 2014. Nur der Börsengang von SpaceX war in den USA noch größer. Die Nachfrage nach den Papieren war nach mehreren Berichten siebenfach überzeichnet, mehr als 500 institutionelle Investorengruppen sollen Zuteilungen angefragt haben. Konsortialführer waren Bank of America, JPMorgan, Citigroup und Goldman Sachs.

Die Kursbewegung an der koreanischen Heimatbörse fiel deutlich verhaltener aus. In Seoul gaben die Aktien laut einem Bericht von BigGo Finance am selben Handelstag leicht nach, während ausländische Investoren netto verkauften. Die zugrunde liegenden Aktien werden zusätzlich ab dem 29. Juli 2026 auch weiterhin in Seoul notiert, das ADR-Angebot läuft formal bis zum 14. Juli. Der Ticker wechselt am 13. Juli von der vorläufigen Kennung SKHYV auf SKHY.

CEO warnt vor historischem Engpass, Chairman verspricht Kapazitätsverdopplung

CEO Kwak Noh-jung nutzte das Debüt, um vor einer historischen Verknappung zu warnen: 2027 werde nach seiner Einschätzung das schlimmste Jahr für die Speicherchip-Versorgung, die Nachfrage werde das Angebot bis über das Jahr 2030 hinaus übersteigen. Als treibende Kraft nannte er den ungebremsten Bedarf an High-Bandwidth-Memory-Chips für KI-Anwendungen, insbesondere für Nvidia-Grafikprozessoren. SK Hynix hält nach mehreren übereinstimmenden Berichten einen HBM-Marktanteil von 56,4 Prozent und gilt damit als weltweit führender Anbieter in diesem Segment.

Konzernchef Chey Tae-won stellte die Nachfragesituation noch drastischer dar: Kunden verlangten fünf- bis sechsmal mehr Chips, als das Unternehmen aktuell liefern könne. Er kündigte an, die Wafer-Produktionskapazität innerhalb von fünf Jahren verdoppeln zu wollen, und schloss den Bau einer Fabrik in den USA nicht aus, sofern Bedingungen bei Energie, Wasser und Standort passten. Zugleich betonte er, dies gehe nicht zulasten der Investitionen in Südkorea. Ein Aktiensplit wird laut mehreren koreanischen Medien ebenfalls geprüft. Die Erlöse aus dem ADR-Angebot sollen unter anderem in Fabriken in Yongin und Cheongju sowie in EUV-Lithografie-Ausrüstung im Volumen von 8,5 Milliarden Dollar fließen.

Bewertungsdiskonto im Fokus, Marktkapitalisierung übertrifft Micron

Analysten richten den Blick nun auf die relative Bewertung gegenüber dem US-Konkurrenten Micron. Mehrere Einschätzungen beziffern das Kurs-Gewinn-Verhältnis von SK Hynix auf einen niedrigen einstelligen Bereich, während Micron höher bewertet wird – ein Abschlag, den manche Marktbeobachter als „Korea-Diskont“ bezeichnen und den das ADR-Listing langfristig verringern soll. KB Securities erwartet laut koreanischen Berichten eine Neubewertung ähnlich dem Fall Taiwan Semiconductor Manufacturing, während BNK Securities die kurzfristigen Effekte für den Heimatmarkt eher als neutral einstuft. Mit dem Kurssprung am Debüttag kletterte die Marktkapitalisierung auf umgerechnet rund 1,2 Billionen Dollar und übertraf damit Micron mit etwa 1,1 Billionen Dollar.

Die Kursdaten der vergangenen Wochen spiegeln die Nervosität rund um das Ereignis wider. Der Titel schloss zuletzt bei 2.180.000 Won und büßte auf Wochensicht gut zehn Prozent ein, nachdem er zuvor stark gestiegen war. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 6,45 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdreifacht. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.987.000 Won aus Ende Juni trennen die Aktie derzeit rund 27 Prozent, während das 52-Wochen-Tief bei 245.000 Won vom Oktober 2025 weit entfernt liegt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 115 Prozent unterstreicht, wie stark der Titel derzeit schwankt. Der Relative-Stärke-Index von 46,1 signalisiert dabei weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen.