SK Hynix kommt nicht zur Ruhe. Der Speicherchip-Hersteller aus Südkorea setzte den Ausverkauf der vergangenen Tage auch am heutigen Freitag fort: Die Aktie notiert bei 1.415.000 Won und verliert damit 5,35 Prozent. Am Donnerstag war das Papier bereits mit 1.495.000 Won aus dem Handel gegangen, nachdem es im Tagesverlauf zeitweise um mehr als zehn Prozent eingebrochen war. Der breite Kospi-Index hatte den Tag zuvor ebenfalls deutlich nachgegeben, ausgelöst durch eine branchenweite Korrektur bei Chip-Werten.

Ein Vorgeschmack im Pre-Market

Wie dramatisch die Nervosität rund um das Papier inzwischen ist, zeigte sich bereits am Donnerstagmorgen. Im vorbörslichen Handel rutschte SK Hynix binnen kürzester Zeit um knapp 30 Prozent auf 1,168 Millionen Won ab – ausgelöst durch gerade einmal elf gehandelte Aktien, wie die Seoul Economic Daily berichtete. Die Marktkapitalisierung des Konzerns lag zu diesem Zeitpunkt dennoch bei mehr als 1.100 Billionen Won. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ausschläge bei geringem Handelsvolumen ein, die auch andere koreanische Titel zuletzt trafen. Die Handelsplattform Nextrade reagiert darauf: Ab dem 14. September soll ein Mechanismus zur Unterbrechung bei extremer Volatilität eingeführt werden. Trotz der heutigen Verluste notiert die Aktie mit 17,09 Prozent weiterhin über ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz des massiven Rücksetzers noch nicht gebrochen ist.

Rotation zugunsten von Samsung

Ein Auslöser der jüngsten Schwäche liegt bei der Konkurrenz: Samsung Electronics präsentierte die weltweit ersten Muster seines zwölflagigen HBM4E-Speicherchips, was der eigenen Aktie in Seoul spürbaren Auftrieb verlieh. Anleger scheinen einen Teil ihres Kapitals von SK Hynix in Richtung des diversifizierteren und günstiger bewerteten Samsung-Konzerns umzuschichten. Noch dominiert SK Hynix den Markt für High-Bandwidth-Memory klar: Nach Daten von Counterpoint hielt der Konzern im ersten Quartal einen HBM-Marktanteil von 58 Prozent, gefolgt von Samsung und Micron. BNP Paribas beziffert das gesamte HBM-Marktvolumen für 2025 auf 76 Milliarden Dollar, bis 2027 soll es auf 156 Milliarden Dollar anwachsen. Parallel dazu haben SK Hynix und SanDisk erste Spezifikationen für eine neue Speichertechnologie namens High Bandwidth Flash vorgestellt, mit Kapazitäten bis 512 Gigabyte. Google und Tenstorrent wollen sich dem zugehörigen Industriestandard anschließen, Nvidia bislang nicht – eine Kommerzialisierung wird frühestens 2027 erwartet.

Gegensätzliches Bild in New York

Während die Aktie in Seoul unter Druck steht, zeigte sich das Bild bei der in New York gehandelten ADR unter dem Kürzel SKHY zuletzt deutlich freundlicher: Das Papier legte am Mittwoch um 8,2 Prozent auf 154,38 Dollar zu, nachdem die Analysten von Wedbush ihre Einstufung auf „Strong Buy“ angehoben hatten. Grundlage war ein Quartalsergebnis mit einem Gewinn je Aktie von 8,76 Dollar, deutlich über dem Konsens von 5,12 Dollar – wenngleich der Umsatz von 52,83 Milliarden Dollar hinter den erwarteten 59,05 Milliarden zurückblieb. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 245,50 Dollar. Beobachter verweisen zudem darauf, dass SK Hynix trotz seiner HBM-Führungsrolle nur mit rund der Hälfte des Bewertungsmultiples von Micron gehandelt wird – ein geplantes Nasdaq-Listing der US-NAND-Tochter Solidigm könnte diese Lücke perspektivisch schließen, wie TrendForce berichtete. Allerdings bremsen Schulden und alternde Produktionsanlagen bei Solidigm die Aussichten auf einen zeitnahen Börsengang.

Kapitalrückgabe unter politischem Druck

Finanziell steht SK Hynix auf robustem Fundament: Zusammen mit Samsung Electronics dürfte der Konzern laut Seoul Economic Daily einen kombinierten Netto-Cashbestand von 375 Billionen Won erreichen, umgerechnet rund 263 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie Nvidias Barreserven von 102 Milliarden Dollar. Allein auf SK Hynix entfallen davon 141 Billionen Won. Angesichts dieser Kriegskasse verlangen Investoren höhere Ausschüttungen; der Konzern prüft laut Bericht, seine Auszahlungsquote auf mindestens 80 Prozent des freien Cashflows anzuheben. Diese Debatte trifft jedoch auf politischen Widerstand: Industrieminister Kim Jung-kwan warnte, eine großzügigere Gewinnausschüttung der Chipkonzerne könnte Südkorea im globalen Wettlauf zurückwerfen, während Chinas staatlich gestützter Konkurrent CXMT massiv investiere. Er forderte zugleich eine Reform der gesetzlichen 52-Stunden-Woche, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie zu sichern.