Ein Bericht über eine mögliche Übernahme, ein offizielles Dementi, dann neue Gerüchte über eine Partnerschaft. SK Hynix hat diese Woche eine Achterbahnfahrt hinter sich – und die Aktie gleich mit.

Am 22. Juli erklärte der südkoreanische Speicherchip-Hersteller in einer Pflichtmitteilung, er habe die unfertige Intel-Fabrik im US-Bundesstaat Ohio weder erworben noch eine Übernahme beschlossen. Damit reagierte SK Hynix auf einen Bericht der Korea JoongAng Daily. Die Zeitung hatte gemeldet, das Unternehmen prüfe intern den Kauf und durchlaufe bereits den Genehmigungsprozess bei US-Behörden, mit dem Ziel, binnen fünf Jahren Speicherchips in den USA zu produzieren.

Ein Dementi, das nicht überzeugt

SK Hynix ließ sich in der Mitteilung eine Hintertür offen. Man prüfe „kontinuierlich verschiedene Investitions- und Übernahmemöglichkeiten“, hieß es. Eine Entscheidung zum Ohio-Standort von Intel gebe es aber nicht. Ein Unternehmenssprecher wurde gegenüber Benzinga noch deutlicher: „Wir haben keine Übernahmepläne.“

Die Geschichte war damit trotzdem nicht vom Tisch. Mehrere ausländische Medien berichteten stattdessen über Gespräche zu einer operativen Partnerschaft statt einer Übernahme. Der Nachrichtendienst Semafor brachte die strategische Logik dahinter auf den Punkt: Der Druck der US-Regierung, die heimische Chipproduktion auszubauen, könnte ein Modell begünstigen, bei dem Intel Eigentümer der Fabrik bleibt und SK Hynix operativ einsteigt. Das würde das Ohio-Projekt beschleunigen, ohne dass Intel sein Kernstück im Foundry-Geschäft verliert.

Patrick Moorhead, CEO von Moor Insights & Strategy, hält eine Übernahme für höchst unwahrscheinlich. Der Ohio-Campus bleibe für Intels Foundry-Sparte zu wichtig. Ein Insider aus der Halbleiterbranche sieht dennoch anhaltenden Druck: SK Hynix brauche dringend eine Produktionsbasis in den USA. Ein Betriebsmodell, bei dem Intel finanzielle Last abgibt und SK Hynix schnell Fuß fasst, gelte als praktikable Alternative.

Kurs schwankt zwischen Euphorie und Ernüchterung

Die Gerüchte schlugen sich direkt im Kurs nieder. In Seoul öffnete die Aktie nach dem ursprünglichen Bericht mit einem Plus von über 9 Prozent, pendelte sich nach dem Dementi bei rund 6,7 Prozent ein. Selbst nach der offiziellen Klarstellung blieb die Nervosität: In New York gaben die Titel in der Nachbörse rund 1,4 Prozent ab, während Privatanleger die Geschichte weiter diskutierten.

Am Donnerstag schloss die Aktie bei 1.919.000 Won, ein Tagesplus von 4,86 Prozent. Zum Vorwochenwert steht ein Zuwachs von 4,18 Prozent. Der Blick auf das 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won zeigt allerdings, wie weit die Aktie vom Rekord entfernt ist: Es fehlen 35,75 Prozent. Der langfristige Trend bleibt trotzdem beeindruckend – seit Jahresbeginn steht ein Plus von 195,37 Prozent zu Buche.

Konzernchef treibt US-Expansion parallel voran

Während die Übernahmegeschichte weiter köchelt, bekräftigt die Konzernspitze ihre US-Ambitionen unabhängig davon. SK-Group-Chef Chey Tae-won erklärte diese Woche, sein Unternehmen prüfe Standorte in den USA und Südkorea, um dort die „schnellste und größte“ Fab für die wachsende Nachfrage nach KI-Speicherchips zu bauen. US-Handelsminister Howard Lutnick bestätigte separat Gespräche mit Samsung Electronics und SK Hynix über eine größere US-Präsenz. Beide Unternehmen hätten „keine andere Wahl“, als dem Vorbild von Micron Technology bei der heimischen Fertigung zu folgen, so Lutnick.

Aktuell baut SK Hynix in Indiana eine Anlage für fortschrittliches Packaging von High-Bandwidth-Memory-Chips. Eine Fab für die eigentliche Wafer-Fertigung in den USA ist bislang nicht offiziell beschlossen.

Investitionen in Korea laufen unabhängig weiter

Am selben Tag wie das Intel-Dementi genehmigte SK Hynix eine erhöhte Investition für sein Packaging-Werk „P&T7″ im koreanischen Cheongju. Das Volumen: umgerechnet rund 7,09 Billionen Won, das entspricht 5,88 Prozent des Eigenkapitals. Der Investitionszeitraum läuft vom 26. November 2025 bis zur geplanten Fertigstellung am 31. Dezember 2032. Als Gründe nennt das Unternehmen steigenden Produktionsbedarf und einen vorgezogenen Zeitplan für die Reinraum-Eröffnung.

Am 29. Juli legt SK Hynix seine Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Der Termin fällt nur 16 Tage nach dem Handelsstart des Papiers SKHY – der erste Zahlenbericht wird damit zum unmittelbaren Test dafür, ob der aktuelle Kurs fundamental gerechtfertigt ist.