Trotz milliardenschwerer Ankündigungen zur Aktionärsvergütung wächst in Südkorea der Unmut über die Ausschüttungspolitik der großen Chipkonzerne. Reuters berichtete am Donnerstag, die Debatte um Unternehmensreformen und Investorenrenditen habe sich an den Ausschüttungsplänen von SK Hynix und Samsung Electronics neu entzündet. Investoren fordern demnach deutlich mehr, obwohl beide Konzerne bereits umfangreiche Rückflüsse an die Aktionäre in Aussicht gestellt haben.

Der Vorwurf: Angesichts der Rekordgewinne im Zuge des Speicherchip-Booms bleibe das, was bei den Aktionären ankomme, hinter den Erwartungen zurück. Für SK Hynix trifft diese Kritik einen besonders sensiblen Punkt, da der Konzern zugleich hohe Investitionssummen für den Kapazitätsausbau benötigt und mit staatlichen Stellen über Energieversorgung und Standortförderung verhandelt.

Exportboom treibt Geschäft, doch Verteilungsfrage bleibt offen

Die operative Lage des Unternehmens ist unterdessen glänzend. Reuters meldete Anfang der Woche, Südkoreas Exporte hätten im laufenden Jahr ein Rekordniveau erreicht, wobei SK Hynix maßgeblich von den stark steigenden Preisen für Speicherchips im Zuge des KI-Investitionsbooms profitiert.

Diese Marktdynamik erklärt auch, warum Bank of America ihre Einschätzung zu SK Hynix am Mittwoch anhob: Das US-Analysehaus stufte die Aktie auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 250 US-Dollar, mit Verweis auf die beschleunigte Nachfrage nach KI-getriebenen Speicherchips.

Diese Gemengelage aus Rekordgeschäft und Aktionärskritik spiegelt sich auch im Kursverlauf. Der Titel schloss am Freitag bei 1.812.000 KRW, ein Minus von 2,2 Prozent auf Tagessicht — nach einem Anstieg von rund 20 Prozent binnen 30 Tagen bleibt damit ein Teil der jüngsten Gewinne unter Druck.

Der Rücksetzer relativiert sich jedoch angesichts der massiven Kursentwicklung seit Jahresbeginn, die den Konzern zu einem der größten Profiteure des laufenden Speicherzyklus gemacht hat.

Verhandlungen um Energie und Standorte laufen parallel

Neben der Ausschüttungsfrage beschäftigen SK Hynix mehrere weitere strategische Baustellen. Der staatliche Energieversorger Korea Electric Power Corp hatte Anfang September vorgeschlagen, SK Hynix solle bis 2031 rund 5 Billionen Won im Voraus für Stromlieferungen zahlen — laut KEPCO sind Teilnahme, Tarife, Summen und Zeitplan aber noch nicht final geklärt.

Der Hintergrund: Reuters berichtete, Südkoreas Stromnachfrage werde durch den Produktionsausbau von Samsung Electronics und SK Hynix sowie neue KI-Rechenzentren im Rahmen eines 800 Billionen Won schweren Regierungsprojekts spürbar steigen.

Auch geopolitisch bleibt SK Hynix im Fokus: In den laufenden bilateralen Zollverhandlungen zwischen Südkorea und den USA wird der Konzern als eines der führenden Halbleiterunternehmen des Landes genannt, wobei bislang keine unternehmensspezifische Zusage feststeht.

Spekulationen über eine tiefere Fertigungskooperation mit Kioxia wies unterdessen Kioxia-Chef Hiroo Ota zurück: Man verfolge keine engere Zusammenarbeit mit SK Hynix, hieß es am Mittwoch. Auch ein Vertreter von SK Hynix bestätigte, es fänden keine entsprechenden Gespräche statt.

Für Anleger bleibt damit ein Unternehmen im Blick, dessen operatives Momentum durch den KI-Speicherboom ungebrochen ist, dessen Aktionärspolitik jedoch zunehmend unter öffentlicher Beobachtung steht. Wie sich der Streit um die Gewinnverteilung entwickelt, dürfte mittelfristig mitentscheiden, wie stark institutionelle Investoren dem Titel treu bleiben.